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Allmenda, Backkultur Göfis, Fairmittler Stefan Gmeiner, Ofenbau Müller, Spenglerei Mathis und Wohnbau Müller für ethische Werte ausgezeichnet

11. Juni 2019 | 07:56 Autor: Fischkom Startseite, Vorarlberg

Feldkirch (A) Ethik und Erfolg gehen Hand in Hand. Sechs Vorarlberger Unternehmen wurden für ihre gelebten Gemeinwohl-Werte ausgezeichnet. Diese Unternehmen, vom EPU bis zum mittelständischen Betrieb, haben 2019 eine auf der Grundlage 20 Themenfeldern erstellte Gemeinwohlbilanz erstellt einem Audit bzw. einer Peer-Evaluierung unterzogen. Lieferanten, Finanzen, Mitarbeiter, Kunden wie auch das gesellschaftliche Umfeld standen dabei im Fokus der Bewertung. Leitwerte sind Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitbestimmung.

Die Auszeichnung fand bei bester Stimmung in der Wirtschaftskammer in Feldkirch statt. Über 80 Gäste tauschten rege zu diesem immer wichtiger werdenden Thema bis in die späten Abendstunden aus. Für das leibliche Wohl sorgte ein Buffet der beiden Gemeinwohlbetriebe backultur und Metzler Molkeprodukte.

Das Credo: „Muskelmasse statt Fett“
Gelebte Werte im Unternehmen sind ein hoher Garant für langfristige Krisenfestigkeit und stabilen Erfolg. Gerade Konzerne täten sich darin manchmal schwer, meinte WKV-Präsident Hans-Peter Metzler in seinem Impulsvortrag. Regionalität und Nachhaltigkeit sind für den engagierten Tourismusunternehmer und Wirtschaftskammer-Präsidenten nichts Neues. Gerade mit dem Begriff des „Tourismus bzw. der Wirtschaft auf Vorarlberger Art“ werden regionale und ethische Werthaltungen in den Vorarlberger Unternehmen bereits gelebt. Es geht aber darum, sinnbildlich nicht nur „Fett“ abzubauen, sondern vor allem „Muskelmasse“ aufzubauen. CO2-Vermeidung wie auch das Bewusstsein für den Klimawandels müssen bei Entscheidungen konsequenter berücksichtigt werden. Metzler sieht die großen Hebel für politische Veränderung vielfach auf Bundes- und EU-Ebene. Außerdem auch in der Bewusstseinsbildung bei Kunden und Unternehmern. Hier setzt Metzler auf Freiwilligkeit statt Verordnungen.

Ist unendliches Wachstum wirklich sinnvoll?
Insbesondere die ausgezeichneten Betriebe lieferten bei der Veranstaltung konkrete und nachvollziehbare Beispiele für das Umsetzen von ethischen Handlungsstrategien. „Bäume hören einmal auf zu wachsen. – Die Wirtschaft meine, sie müsse unendlich weiterwachsen.“ Ob diese Haltung für Mensch und Natur gesund sei, hinterfragt der passionierte Biobäcker Rupert Lorenz von der „backkultur“ in Göfis vehement. Sein Erfolg gibt ihm auf allen Ebenen recht. Überzeugt von der konsequenten Ursprünglichkeit des biologischen Brotbackens und der sinnhaften Verantwortung für seine Kunden, aber auch seine Mitarbeiter, machte sich der Bäcker aus Leidenschaft 2012 in Göfis in seinem Einfamilienhaus selbständig. Jetzt hat er bereits 8 Mitarbeiter und eine, manchmal zu lange, Liste an Aufträgen – und dies in einem fast aussterbenden Handwerk.

Finanzwesen und Ethik - nicht auf den ersten Blick ein stimmiges Paar
Werner Böhler ist Vorstandsdirektor der Sparkasse Dornbirn. Er gab, als bereits auditiertes Unternehmen, einen Einblick, wie die Gemeinwohlökonomie auch im zahlenorientierten Finanzsektor funktionieren kann. Ausschlaggebend für sein Bedürfnis es „anders zu machen“ war die Finanzkrise rund um das Jahr 2008. Die Folgen und Entwicklungen von Oberflächlichkeit und Profitmaximierung, wo Eigennutzen an erster Stelle steht, machten den Bänker nachdenklich. Die Gedanken gingen zurück zur Ursprungsvision von Pfarrer Babtist Weber, der vorhatte die Armut durch die Gründung regionaler Sparkassen zu lindern und so dem Gemeinwohl zu dienen. Ein solides Modell in den Augen Böhlers, den diese Vision zu einer unkonventionellen Entscheidung angeregte. Entgegen dem weitverbreiteten Trend, kleine Filialen zu schließen und Mitarbeiter abzubauen, behielt er diese bewusst offen. Diese Entscheidung wird heute von den Kunden belohnt. Weiters hat die Sparkasse Dornbirn auch seine Mitarbeiter ins Boot der Veränderung geholt und sie gefragt: Was können wir besser machen? Dies Zusammenarbeit war sehr fruchtbar.

Grundbedürfnis „Wohnen“ im Sinne des Gemeinwohls
Im Familienunternehmen Müller Wohnbau, ebenfalls prämierter Betrieb, liegen die ersten Gemeinwohl-Überlegungen ebenso bereits Jahre zurück. Das Bauunternehmen erstellte schon dreimal eine Gemeinwohlbilanz. „Es geht nicht darum Bestehendes unreflektiert zu perfektionieren, sondern zu überlegen was das Richtige im Sinne des Gemeinwohls ist und dies dann zu perfektionieren. Beispielsweise haben wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten unsere Produktpalette so adaptiert, dass Großteils nur noch ökologisch nachhaltige Baustoffe verwendet werden.“, so Geschäftsführer Gerhard Müller. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass vor allem die nachrückenden Generationen zunehmend die Hintergründe unternehmerischen Handelns hinterfragen und auch besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Ethik beim Bau ihres Hauses wert legt.

„Weltverbesserer“ werden zu Realisten in Sachen Nachhaltigkeit
Die Gemeinwohlökonomie hat sich bereits in den verschiedensten Branchen und Betrieben durchgesetzt. Bei Ofenbau Müller aus Ludesch war die Betriebsübernahme durch die nächste Generation ausschlaggebender Impuls. Vom herkömmlichen Produkt weg, ging es zum viel nachhaltigeren Lehmofenbau.
Die Spenglerei Mathis bietet Lösungen für den ökologische Dachlösung und meint „man müsse eben tiefer suchen“ und kreativ unterwegs sein. Stefan Gmeiner von Fairmittler achtet bei seinen Produkten ebenso konsequent auf die Qualität der Lieferanten. Die Sozialgenossenschaft ALLMENDA, bei der Verleihung vertreten durch Obmann Gernot Jochum-Müller, verwies auf den Erfolg der Komplementärwährung V-Taler, die eine regionale Wertschöpfung von 1 Mio. Euro jährlich generiert und für viele regionale Kleinproduzenten von wesentlicher Bedeutung für ihr Überleben ist.

Wirtschaftskammer lädt zum Dialog
Die Akteure sind sich einig: Die Gemeinwohl-Ökonomie als Erfolgs -Modell fördert die Verknüpfung von nachhaltigen Aspekten und wirtschaftlichem Erfolg. Der Wirtschaftskammerpräsident Hans-Peter Metzler lädt am Ende der Veranstaltung „Mit Ethik zum Erfolg“ zum weiteren Gespräch ein, um konkrete Schritte für eine fruchtbare Zusammenarbeit zu setzen. Das Ziel ist „Nicht ein möglichst großer Finanzgewinn, sondern die Steigerung des Gemeinwohls durch ökonomische, politische und gesellschaftliche Veränderungen“, so Obmann der Gemeinwohl-Ökonomie Vorarlberg Gerhard Müller.

„Mit Ethik zum Erfolg“
Die neu zertifizierten Unternehmen der Gemeinwohlökonomie Vorarlberg:


•    Allmenda Dornbirn, 4 Mitarbeiter/innen
•    Backkultur Göfis, 8 Mitarbeiter/innen
•    Fairmittler Stefan Gemeiner, Druck und Werbeprodukte, EPU
•    Ofenbau Müller Ludesch, 9 Mitarbeiter/innen
•    Spenglerei Mathis Altach, 27 Mitarbeiter/innen
•    Wohnbau Müller Altach, 43 Mitarbeiter/innen

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