< Zurück zur Übersicht

Frauen und Karriere: Grenzen in den Köpfen

25. August 2004 | 12:54 Autor: Frau in der Wirtschaft Vorarlberg
Erfolgreiche Frauen sehen mentale Grenzen als größtes Hindernis für Frauen auf dem Weg in Spitzenfunktionen. Im Rahmen des europäischen Forums Alpbach fand heuer zum zweiten Mal die "Ladies Lounge" veranstaltet von "Frau in der Wirtschaft" statt. Angelehnt an das Thema der Forums erörterten hochkarätige Persönlichkeiten die Frage, wo sich (un)sichtbare Grenzen für Frauen auftun und wie diese überschritten werden können.

Angesichts der rund 60 Teilnehmerinnen an der Ladies Lounge zeigte sich BR KR Sonja Zwazl, Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft und Präsidentin der Wirtschaftkammer Niederösterreich optimistisch: "Nach wie vor ist sind Grenzen im Sinne von Hindernissen - für Frauen in der Karriere ein wichtiges aber intransparentes Thema und wir wollen dieses im Rahmen der Veranstaltung mit Hilfe der Erfahrung von Frauen die bereits in Spitzenfunktionen tätig sind aufrollen."

In der Diskussion kristallisierten sich bald einige wesentliche Elemente heraus, die einen entscheidenden Einfluss auf weiblichen Erfolg in Spitzenfunktionen nehmen. So konstatierte DI Christine Brugger, Geschäftsführerin des Radio Osttirol als wichtigste Grenze den mangelnden Mut und fügt noch hinzu: "Wenn man in eine exponierte Position kommt, gerät man ins Schussfeld der Kritik und damit wollen nicht alle Frauen umgehen."

 

Die designierte Generalsekretärin der WKO, Anna-Maria Hochhauser bestätigte: "Mir wurde Mut gemacht, ich wurde motiviert, gefordert aber auch gefördert. In diesem Sinne werde ich auch verstärkt unsere Personalpolitik ausrichten." Um Grenzen tatsächlich überschreiten zu können braucht es Ermutigung für Frauen, sich für Führungspositionen zur Verfügung stellen, ist Hochhauser überzeugt.

 

In der Tatsache, dass viele Frauen zögern eine Aufstiegschance in Wirtschaft, Politik und Verwaltung anzunehmen - mehr als dies vielleicht Männer tun – war sich das Podium einig. "Wenn einem eine Funktion angeboten wird, muss man immer annehmen", gibt Susanne Wegscheider, Wirtschaftsstadträtin in Linz einen Ratschlag weiter, den selbst erhalten und beherzigt hat. Dr. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich streicht weibliche Qualitäten, wie vernetztes Denken und Einfühlungsvermögen heraus, warnt aber gleichzeitig davor, dass Frauen dem Irrtum verfallen, dass sie nur auf dem sensiblen und emotionalen Gebiet stark seien. Das sind Frauenklischees die in euer aller Köpfe sind, dessen müsst ihr euch bewusst sein."

 

Das die Grenzen oft im Kopf sind, bestätigt auch Dr. Christine Stix-Hackl, Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof: "Es sind mehr die Grenzen, die man sich selber setzt. Ein Mann fragt bei einem herausfordernden Projekt: "Kann ich das?". Eine Frau fragt: "Kann ich das perfekt?". Der weibliche Anspruch auf Perfektion kann so zur unsichtbaren Grenze werden.

 

Die Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, Sonja Zwazl ist überzeugt, dass noch mehr Frauen ermutigt werden müssen und ein Netzwerk wie Frau in der Wirtschaft eine große Rolle in der gegenseitigen Unterstützung und Motivation spielt. Dennoch gibt es Rahmenbedingungen, die sich als unüberwindbare Hindernisse und damit fast Grenzen präsentieren. Sie verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass in vielen Bereichen das Kinderbetreuungsangebot noch zu wenig flexibel ist.

 

"Frauen müssen die Chance haben, sich auf Ihre beruflichen Herausforderungen konzentrieren zu können. Daher setzen wir uns als Frau in der Wirtschaft besonders dafür ein, dass die Kinderbetreuungsangebote ausgeweitet und an die Arbeitswelt angepasst werden und auch individuelle Betreuungsleistungen wie Babysitter und Altenpfleger steuerlich geltend gemacht werden. Denn noch immer leisten Frauen großteils die Familienarbeit", so Sonja Zwazl.

 


    < Zurück zur Übersicht