Spione aus der Steckdose: VEV warnt vor totaler Überwachung durch Smart Meter

  • VEV
  • 01.10.2012 14:32
Spione aus der Steckdose: VEV warnt vor totaler Überwachung durch Smart Meter
Dr. Markus Hagen, Präsident der Vorarlberger Eigentümervereinigung

Dornbirn (A) Die neuen digitalen Stromverbrauchszähler sind bei entsprechender Einstellung in der Lage festzustellen, welcher Haushalt gerade welchen Film im Fernsehen ansieht. Die VEV fordert deshalb gesetzliche Regelungen, die den Smart Metern einen technologischen Riegel vorschieben.

Die Vorarlberger Eigentümervereinigung warnt angesichts der bevorstehenden Einführung von Smart Metern, den intelligenten digitalen Stromverbrauchszählern, vor massiven Verletzungen des Datenschutzes und der Privatsphäre. Smart Meter müssen per Gesetz bis Ende 2019 stufenweise in sämtlichen Haushalten (95%) anstelle der alten Stromzähler installiert werden, um sowohl den Bewohnern als auch den Netzbetreibern genauere Informationen über das Stromverbrauchsverhalten zu liefern.

Doch diese digitalen Stromverbrauchszähler haben eine Schattenseite, sie sind regelrechte Spione aus der Steckdose. Je nachdem, ob die Smart Meter den Stromverbrauch stündlich, viertelstündlich, minütlich oder jede Sekunde abrufen, sind sie in der Lage, das Wohnverhalten des gesamten Haushaltes an den Stromnetzbetreiber zu übermitteln. Je nach zeitlicher Taktung der Geräte ist es nämlich gemäß einer Studie der Fachhochschule Münster möglich festzustellen, ob jemand zu Hause, ist, ob geschlafen oder gekocht wird, ob das Frühstück warm oder kalt gegessen wurde, ob der Fernseher an ist – und ob die Kinder allein zu Hause sind. Die Experten haben bei der Untersuchung sogar aufgezeigt, dass eruiert werden kann, ob gerade der Wasserkocher oder der Herd angeschaltet ist. Der Höhepunkt: Es gelang herauszufinden, welcher Kanal am Fernseher eingestellt ist und welcher Film gerade angesehen wird.

„Man muss kein glühender Datenschützer sein, um das als einen absolut unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre zu sehen“, kritisiert VEV-Präsident Markus Hagen. Auch wenn es unter dem Vorwand des Energiesparens geschieht.

Abgesehen davon, dass niemand diese Informationen in den Händen eines Stromnetzbetreibers wissen möchte – und sei er wie in Vorarlberg die VKW noch so seriös – kommen nämlich noch zwei weitere Probleme dazu: Erstens werden sich auch andere private Unternehmen für das Stromverbrauchsverhalten von Hunderttausenden Haushalten interessieren, um Marketing oder Verkaufsstrategien für ihre Produkte zu optimieren. Nicht erst einmal haben solche Daten mit der Zeit den Weg in die Wirtschaft gefunden. Und zweitens wesentlich gravierender werden auch dunkle Geschäftemacher ein gewisses Interesse an diesen Datensätzen haben. Einen absoluten Schutz vor Diebstahl gibt es bei elektronisch gespeicherten Daten bekanntlich niemals. „Das zeigen uns die unzähligen Datenklau-Affären“, so Markus Hagen.

Die VEV fordert deshalb, dass Smart Meter gesetzlich garantiert von vornherein keine allzu detaillierten Informationen über das Stromverbrauchsverhalten übermitteln können, sondern nur die notwendigsten. „Hier muss ein technologischer Riegel vorgeschoben werden.“ Dass die VKW auf Anfrage mitteilten, dass man die Datenschutzproblematik bei Smart Metern „sehr ernst“ nehme, zeige die Dringlichkeit entsprechender Maßnahmen, so Hagen. Die Gesellschaft und ihre Bürger werde ohnehin bereits viel zu stark überwacht.

 

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