Studium mit Zukunft – InterMedia: „Sehr praxisorientiert, sehr kreativ und sehr anstrengend“

Studium mit Zukunft – InterMedia: „Sehr praxisorientiert, sehr kreativ und sehr anstrengend“
Heidi Weber, FH Vorarlberg

„Ich liebe diese Hochschule, bin hier unheimlich gern und finde die Studenten toll“, sagt Heidi Weber, Studiengangsleiterin InterMedia an der Fachhochschule Vorarlberg. Nach ihrem Medientechnik-Studium und einigen Jahren Berufspraxis in der Medienbranche sowie an Hochschulen entdeckte sie ein Inserat der FHV. Ein Blick auf die Landkarte, wo Dornbirn überhaupt liegt, und ein Telefonat, ob denn auch Deutsche genommen werden, waren ihre ersten Schritte in Richtung Vorarlberg.

Seit 2006 sind Sie Studiengangsleiterin InterMedia an der FHV. Woraus besteht diese Tätigkeit genau?
Als Studiengangsleiterin ist man dafür zuständig, dass der Laden läuft. Das heißt, dass der Studiengang im operativen Geschäft problemlos durchgeführt wird, dass alle Dozenten da sind, die Studenten alle Informationen haben, einfach alles Organisatorische. Dazu gehört alles, von den Bewerbungen angefangen bis zum Abschluss und der Übergabe der Diplome. Sehr wichtig ist der Bereich der Kommunikation, das heißt der Kontakt mit potentiellen Arbeitgebern der späteren Absolventen, und mit allen, die im Ländle, aber auch darüber hinaus, in der Bodenseeregion, mit den Bereichen Kommunikation oder der Lehre zu tun haben.

Ein wichtiges Element ist das Überprüfen, Aktualisieren, Weiterentwickeln der Curricula und darauf zu achten, dass die Lehrinhalte dem aktuellen Stand entsprechen, so, dass die Absolventen nach ihrem Abschluss ein aktuelles Wissen haben. Das ist gerade in InterMedia nicht ganz einfach, denn wir haben es mit der Medienbranche zu tun. Wenn man nur überlegt, was man beispielsweise vor fünf Jahren mit einem Handy machen konnte, und was man heute damit macht, wie viel sich da geändert hat. Die Medien- und Kommunikationsbranche unterliegt einem sehr schnellen Wandel.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
Es ist die Chance, wirklich etwas zu machen, was Zukunft hat. Als Studiengangsleiterin habe ich einfach die Möglichkeit, den Studierenden ein Studium zu bieten, mit dem sie sich später im Beruf gut zurechtfinden werden, mit dem sie erfolgreich sein können und mit dem sie ein gutes und erfolgreiches Berufsleben haben können. Bei so vielen Studierenden, ich weiß gar nicht genau, wie viel hundert Studierende in dieser Zeit zum Abschluss gefunden haben, da habe ich wirklich eine Chance, einen Eindruck zu hinterlassen. Über diese Chance kann sich jeder freuen, der sie bekommt, ich halte das für ein Geschenk.

Sie sind selbst auch als Studiengangsleiterin noch unterrichtend tätig, warum?
Es ist mir sehr wichtig, einen guten Kontakt zu den Studierenden zu haben, sie selber und ihre Beweggründe zu kennen. Deswegen achte ich darauf, dass ich viel in den unteren Semestern, sowohl im Bachelor als auch im Master, unterrichte, um einfach früh Kontakt zu ihnen zu finden. Es ist für mich auch wichtig, die Belange der Hochschullehrer weiterhin zu kennen, und deswegen muss ich auch selber wissen, wie es ist, zu unterrichten.
Ich bin Fachfrau und möchte mein Wissen auch selbst weitergeben können, und ich möchte letzten Endes auch immer wieder dazu aufgefordert und gezwungen sein, mein Wissen aktuell zu halten. Das geht am besten darüber, selbst zu unterrichten, weil dann muss ich.

Im Jahr 2003 kamen Sie als Hochschullehrerin an die FHV. Wie kam es dazu?
Ich habe an der Hochschule der Medien in Stuttgart studiert und habe dort auch schon während des Studiums in Forschungszentren gearbeitet. Diesen Kontakt habe ich auch nach dem Studium beibehalten und habe schon sehr bald unterrichtet und sowohl in Stuttgart als auch in Würzburg Diplomarbeiten betreut. Mir hat das immer große Freude gemacht.
Nach einer längeren Berufstätigkeit in der Medienbranche wollte ich dann wieder unterrichten. Irgendwann habe ich die Anzeige der FHV gesehen. Ich bin Deutsche und habe erst einmal auf der Karte nachgesehen, wo es eigentlich ist, das schöne Dornbirn, und habe dann telefoniert um nachzufragen, ob sie überhaupt Deutsche nehmen, denn selbst das war mir nicht so ganz bewusst. Ich habe mich sehr gefreut, dass es diese Möglichkeit gibt und dass ich die Stelle als Hochschullehrerin bekommen habe.

War die Studiengangsleitung das eigentliche Ziel, oder hat sich das erst im Laufe der Zeit ergeben?
Eigentlich überhaupt nicht. Ich wollte Hochschullehrerin bleiben, das war mein Ziel. Das mit der Studiengangsleiterin hat sich dann letzten Endes ergeben. Ich musste irgendwann auch für mich selbst akzeptieren, dass ich den Hang habe, immer mitreden zu wollen und mitdenken zu müssen. Da rutscht man ganz automatisch in solche Dinge hinein. Als ich einige Zeit da war, war es für mich ein echtes Bedürfnis, mich auf die Stelle zu bewerben, und habe mich dann auch wieder gefreut, dass ich sie bekommen habe.

Inwieweit ist Ihre bisherige Berufspraxis hilfreich für Ihre Tätigkeit?
Alles, was ich in meiner bisherigen Berufspraxis gehört und gesehen habe, prägt auch heute noch sehr stark mein Berufsbild für die InterMedia-Studierenden, weil ich einfach sehr genau weiß, was die Branche verlangt und wie die Prozesse aussehen. Dem entsprechend versuche ich auch gemeinsam mit dem Entwicklungsteam die Curricula so zu gestalten, dass sie wirklich alles abdecken, was man in der Kommunikationsbranche braucht. Das ist für mich sehr wichtig und ohne das würde ich mich niemals wagen, diese Position zu haben.

Welche Veränderungen haben Sie als Studiengangsleiterin bisher umgesetzt?
Zum einen gab es in dieser Zeit eine starke Wandlung der Studierenden. In der Zeit, in der ich jetzt in Dornbirn bin, sind es wirklich die „Digital-Natives“ geworden, die jetzt studieren, das war am Anfang noch nicht in diesem Ausmaße so. Alle hatten natürlich Computer, aber dieses selbstverständliche tägliche Umgehen mit Computern und Smartphones haben wir erst mit den jetzigen Studierenden. An sie muss man natürlich auch die Lehre anpassen. Viele Dinge, die früher Lehrinhalt waren, sind heute nicht mehr erforderlich, dafür sind andere dazu gekommen, die man damals noch nicht gebraucht hat.
Wichtig war für mich auch, das Curriculum an die Anforderungen der Branche anzupassen. Und, was noch in meine Zeit gefallen ist, das ist wahrscheinlich das größte Highlight, wir haben angefangen, das Masterstudium zu entwickeln.

1988 schlossen Sie Ihr Medientechnik-Studium an der Hochschule der Medien in Stuttgart ab. Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang daraufhin weiter?
Als Diplomarbeit habe ich einen Messefilm für Grundig gemacht, da bin ich heute noch stolz darauf, der lief auf der Cebit. Daraufhin war ich im Industriefilmbereich tätig. Nach einiger Zeit ging ich nochmals als wissenschaftliche Assistentin an die Hochschule zurück und bin dann von da aus im Interaktivbereich gelandet. Ich machte viele Dinge, die heute kein Mensch mehr kennt, sehr stark im E-Learning-Bereich, was sich dann so nach und nach in Richtung Internet entwickelte. Ich war von der ersten Stunde des Internets an mit dabei und habe in diesem Bereich unterschiedlichste Dinge getan, klassische Webseiten, viele interne Unternehmensseiten, auch da nochmal einiges im Mitarbeiterweiterentwicklungsbereich. Eine Zeit lang hatte ich ein eigenes Unternehmen mit einer Webcontent-Management-Software, bin dann als Vorstand in eine größere Internetagentur in München gegangen, und von München aus dann nach Dornbirn.

Mein Schwerpunkt in dieser Zeit war sehr stark das Konzeptionelle, mit meiner Ingenieursausbildung allerdings auch das Technische. So schaffte ich eine Mischung aus der Konzeption einer Kommunikationslösung und der Mitarbeit in der Umsetzung.

Wie sehen Ihre weiteren Zukunftspläne aus?
Ich liebe diese Hochschule, bin hier unheimlich gern und finde die Studenten toll. Ich möchte auf jeden Fall hier an der Hochschule bleiben, möchte weiterhin mit den Studenten und meinen Kollegen gemeinsam für die Studierenden arbeiten und ihnen weiterhin eine sehr gute Zukunftschance ermöglichen. Ich bin glücklich mit der Position, die ich jetzt habe, die würde ich gerne auch behalten und jeden Tag weiter darüber nachdenken, wie das Studium noch zukunftsorientierter, noch besser für die Studierenden gestaltet sein kann, um ihnen ein gutes Berufsleben zu geben.

Wie sehen Sie die Zukunft des InterMedia-Studiengangs?
Sehr gut. Ich halte momentan diesen Bereich InterMedia für einen der wichtigsten Zukunftsmärkte überhaupt. Das Thema Kommunikation ist ein Dauerbrenner und wird immer wichtiger, fast jeder von uns besitzt heutzutage ein Smartphone und kommuniziert ständig mit irgendwelchen Dingen. Alle Oberflächen, die dafür gemacht werden, brauchen InterMedianer.
Gerade die Art und Weise, wie wir InterMedia ausgerichtet haben, dass wir keine Leute ausbilden, die ausschließlich Print, ausschließlich Video oder ausschließlich Internet machen, sondern, dass wir Leute ausbilden, die diese Medien alle kennen und mit ihnen kompetent umgehen, das ist genau das, was der Markt braucht. Heutzutage findet Video, gerade für die jüngere Generation, nicht mehr am Fernseher statt, sondern am Computer. Sie nutzen immer weniger die klassischen Kanäle, ORF, Bayern 3, oder wie immer sie auch heißen, sondern sie gehen auf Youtube und ähnliche Videokanäle. Es ist heute für alle Unternehmen gang und gäbe, nicht mehr über gedruckte Broschüren Informationen weiterzugeben, sondern über Webseiten, Twitter, Facebook, etc. Für all das werden immer wieder Spezialisten gebraucht, und genau diese bilden wir aus.

Welche Themen und Inhalte erwarten einen Studenten während seiner Ausbildung?
Wir arbeiten vom ersten Semester an sehr stark Projekt- und Praxisorientiert und letzten Endes ist es immer wieder die Basis: Kunde kommt und hat ein Kommunikationsproblem. Am Anfang sind es einfachere Projekte, die nach und nach komplexer werden. Die Spannbreite geht von den klassischen Printmedien für Visitenkarten, Broschüren, Geschäftspapier, Plakate etc. über den Filmbereich, Dokumentation, Präsentation, Edutainment, bis hin zum Interaktivbereich und dort natürlich schwerpunktmäßig für Internet und Smartphones.Die Studierenden haben einen Schwerpunkt in Gestaltung und Kommunikation, aber sie müssen ganzheitlich denken und agieren können und brauchen deswegen auch die technische, sowie die betriebswirtschaftliche Seite.

Wie würden Sie das InterMedia-Studium aus Ihrer Sicht beschreiben?
Sehr praxisorientiert, sehr kreativ und sehr anstrengend. Es ist einfach so, die Medienarbeit kostet viel Energie, kostet viel Zeit, aber es ist wunderschön. Es macht viel Spaß, man hat die Möglichkeit seiner Kreativität innerhalb der Anforderungen freien Lauf zu lassen und kann sehr viel gestalten.
Wir haben sehr viele Praxisprojekte, aber auch die passenden Vorlesungen dazu, denn Theorie und Praxis müssen miteinander verbunden sein. Es geht nicht, ein akademisches Studium zu machen, das nur aus Praxis besteht, und es geht genauso wenig, ein berufsbefähigendes Studium zu machen, das nur aus Theorie besteht, es braucht einen guten Mix. Die Studierenden müssen handeln können, aber sie müssen auch das, was sie tun, reflektieren und optimieren können, dann sind sie auf dem richtigen Weg.
Wie schon beschrieben, ist das ein Bereich, der massiven Wandeln unterliegt, und deswegen ist eines der wichtigsten Dinge, die wir den Studierenden vermitteln, wie sie sich selbst Dinge beibringen können, weil sie jederzeit in der Lage sein müssen, sich neue Technologien, neue Trends anzueignen und damit aktiv umzugehen.

Was sind die primären Berufsziele der Studenten? Worin sind sie Spezialisten?
Alle Studierenden suchen sich letzten Endes einen Bereich, in dem sie sich eine hohe Kompetenz aneignen. Sie haben im Hintergrund dieses medienübergreifende Wissen, was sie auch immer wieder brauchen werden, aber sie haben schon ihre Spezialisierung, in der sie sich besonders wohl fühlen.
Sehr beliebt ist der Bereich Video, oder mit Corporate Design ein ganzes Unternehmensbild zu gestalten, und inzwischen auch der Bereich Webdesign, Smartphonedesign, etc., in dem sich sehr viele wiederfinden.
Wichtig ist uns, gerade bei den Master-Studenten, dass sie ihre Berufsbilder auch selbst entwickeln, auf die immer wieder neuen Anforderungen eingehen und damit spezialisierte Profile anbieten. Kunden und Ansprechpartner haben damit immer die Möglichkeit, jemanden zu finden, der ihren Bedürfnissen auch gerecht werden kann.

Was können Sie über die Erfahrungen der lokalen Medienbranche mit den Absolventen der FHV sagen?
Ich denke, sie ist zum großen Teil sehr positiv. Wir haben inzwischen einige Unternehmen hier in Vorarlberg, die von InterMedia-Absolventen gegründet wurden und es gibt sehr viele Unternehmen in Vorarlberg, die sagen, sie arbeiten viel und gerne mit InterMedia-Absolventen. Das finde ich sehr erfreulich.

Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, die sich für ein InterMedia-Studium an der FHV interessieren?
Sie sollen sich wirklich überlegen, was sie vorhaben. InterMedia ist kein Kunststudium, sondern ist ein Kreativstudium, ein Dienstleistungsstudium. Wenn sie diesen Unterschied verstehen und akzeptieren, kann ich ihnen nur empfehlen, es zu machen. Sie müssen bereit sein, mit Leidenschaft zu arbeiten. Es ist ein Studium das wirklich viel Leidenschaft, viel Kritikfähigkeit und viel Engagement erfordert, es ist aber auch ein Studium, dass einem viele Freiräume und Möglichkeiten gibt, selbst Dinge zu gestalten und diese in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Laut der Wirtschaftskammer gibt es in Vorarlberg derzeit ungefähr 670 Medienbetriebe (Werbeagenturen, PR-Berater, etc.). Ist die Ausbildung an der FHV auf die Anforderungen dieser Betriebe ausgerichtet?
Wir achten stark darauf, dass wir uns an Vorarlberger Verhältnissen orientieren. Es sind sehr viele kleine Unternehmen, und das ist auch einer der Gründe für die Allrounder, weil gerade diese Unternehmen Allrounder brauchen. Es ist natürlich nicht nur in Vorarlberg so, es ist überhaupt die Medienbranche, die relativ stark mit kleinen Unternehmen arbeitet. Die großen Werbeagenturen mit mehreren Hundert Mitarbeitern sind extrem selten, die Mitarbeiterzahlen sind meist einstellig. Was wir nicht tun, ist ausschließlich für Vorarlberg unterrichten, Vorarlberger Schüler mit Vorarlberger Themen für Vorarlberger Unternehmen zu optimieren, das kann es nicht sein, es muss darüber hinaus gehen. Wir möchten ein globales Studium haben und achten auf eine internationale Ausbildung. Deshalb haben wir konsequent Englisch mit dabei und bearbeiten auch Fragestellungen, die wirklich global sind.
Zurück nach Vorarlberg: Wir sind hier nun mal in einer Region der heimlichen Weltmarktführer. Das heißt, gerade der Bereich der internationalen Kommunikation ist extrem wichtig, und dem versuchen wir natürlich auch mit gerecht zu werden.

Wie viele Mediengestalter schließen ihre Ausbildung eigentlich jedes Jahr an der FHV ab und wo kommen diese alle unter? Ist der relativ übersichtliche Medienmarkt in Vorarlberg nicht schon übersättigt?
Das höre ich immer wieder, ich stelle nur fest, meine Absolventen kommen gut unter. Wir haben jedes Jahr ca. 40 Absolventen des Bachelor-Studienganges und ca. 20 des Master-Studienganges. Die Arbeitslosenzahl geht gegen Null. Die Absolventen finden ihre Arbeitsstelle und sie werden auch wirklich gesucht und gebraucht. Es ist so, und das halte ich auch für wichtig, dass viele nach dem Studium erst einmal aus Vorarlberg weggehen, um internationale oder zumindest überregionale Erfahrungen zu sammeln. Aber ich erwähne schon gerne immer wieder, dass sie dann gerne wieder nach Vorarlberg zurück kommen und mit ihrer Erfahrung, die sie im Leben und im Beruf gemacht haben, hier den Markt bereichern.

Lässt sich über die Quote der künftigen selbstständigen Mediengestalter etwas sagen?
Es sind sehr viele Freiberufler mit dabei und es sind auch einige, die in Richtung eigenes Unternehmen drängen. Über den Daumen würde ich sagen, von den Bachelor-Absolventen sind es vielleicht 20 Prozent, die in die Selbstständigkeit gehen, bei den Master-Absolventen sind es eher 80 Prozent. Vielleicht nicht sofort nach dem Studium, aber sie haben es auf jeden Fall als Ziel, sich selbstständig zu machen, als Freiberufler oder in kleinen Unternehmen, die oft ganz gut wachsen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Medienlandschaft in Vorarlberg?
Ich halte die Mediensituation in Vorarlberg nicht für außergewöhnlich, solange es um die Unternehmenskommunikation geht. Ein Unternehmen hat ein Kommunikationsproblem und irgendjemand muss es lösen. Dafür sind hauptsächlich die InterMedia-Studierenden auch ausgebildet und da gibt es offensichtlich ein hohes Potential. Gerade dadurch, dass es viele sehr aktive und sehr hochwertige Mittelständler gibt, die ständig neue Kommunikationsaufgaben haben, die zu lösen sind und die eine Gestaltung brauchen. Die Aufgaben gehen dabei weit über Logo und Visitenkarte hinaus. Wir haben alle im Berufsleben mit Computerprogrammen zu tun und alle Computerprogramme brauchen eine Gestaltung.

Viele Medienschaffende sehen einen baldigen Untergang der Printmedien, verursacht durch Onlinemedien und die Generation Facebook. Wie beurteilen Sie diese Sichtweise und auf welche Entwicklung ist das Studium ausgerichtet?
Medien wurden schon oft totgesagt und die allerwenigsten sind dann wirklich dem Untergang geweiht gewesen. Jedes Medium hat seinen Spezialbereich in dem es auch gut und stark ist, in dem es wirklich Dinge voran bringt. Schon in den 80er Jahren sprach man davon, es würde bald das papierlose Büro geben. Wenn ich so um mich herum schaue, sehe ich leider viel zu viele Papierstapel. Es gibt Statistiken die besagen, dass das Papieraufkommen in den Unternehmen zugenommen und nicht abgenommen hat. Ähnlich ist es in der Kommunikation, wenn es darum geht, Zeitungsanzeigen oder Plakate zu machen. Das wird es auch weiterhin und in Zukunft geben, Print wird nicht sterben. Print wird einen anderen Stellenwert bekommen, es wird seine speziellen Aufgaben haben, aber ganz tot wird es zu unseren Lebzeiten und ich denke auch zu den Lebzeiten meiner Enkel nicht sein.

Nie war es einfacher als heute, etwas zu publizieren. Texte, Fotos, Videos in Blogs, Social Media und Konsorten. Die Produktion von brauchbaren Fotos und Videos wird durch die technische Entwicklung immer mehr zum Allgemeingut. Wo liegt noch der Mehrwert des Akademikers in diesem Bereich?
Schauen Sie sich doch mal die Küche eines Spitzenkoches an. Da sind die schärfsten Messer, die kriege ich heute für meine Amateurküche auch, da sind die tollsten Herde, einen schönen Herd habe ich zuhause auch, da sind tolle Kühlschränke, da ist tolle Technik, juhu super! Jeder der scharfe Messer, einen tollen Herd und sonst gute Technik hat, ist also jetzt ein Spitzenkoch? Nein, das ist nicht so, das sieht jeder sofort. Ganz genau so ist es auch in der Medienbranche. Gute Technik macht mich nicht sofort zu einem guten Gestalter und macht mich nicht zu einem guten Kommunikationsspezialisten.

Auch da gibt es natürlich einen Wandel, es gibt qualitativ sehr hochwertige Elemente, die von Amateuren erzeugt werden, genauso wie es tolle Kuchen von meiner Mama gibt. Aber trotzdem ist es so, das wirklich professionelle Arbeit auf hohem Niveau halt doch von Profis gemacht werden muss, weil einfach mehr dazu gehört als nur das Werkzeug. Es gibt den netten englischen Spruch: „A fool with a tool is still a fool“ - ist böse, aber es ist einfach immer noch so. Natürlich gibt es auch Amateure, die tolle Sachen machen können, natürlich wandelt sich die Technik und gibt es Dinge, die nicht mehr so kompliziert sind, die inzwischen leicht technisch umzusetzen sind, aber das Ganze konzeptionell, kreativ/gestalterisch auf ein hohes Niveau zu bringen ist immer noch etwas ganz anderes.

Factbox:
1984 bis 1988 Hochschule der Medien, Stuttgart zur Diplom-Ingenieurin (FH) Medientechnik
1989 bis 1990 Studioleiterin und Projektleiterin in der Industriefilmproduktion
1991 bis 1992 Fachbereichsassistentin an der Hochschule für Medien, Stuttgart
1993 bis 1995 Projektleiterin, Konzeption, Regie bei Activ-Consult Multimedia, München
1995 bis 1997 Projektleiterin, Leitung der Graphik, stellvertretende Produktionsleiterin bei Grundig Media Solutions, Nürnberg
1997 bis 1999 Prokuristin, Projektleiterin bei Trivium Software Aktiengesellschaft, Karlsruhe
2000 bis 2002 Vorstand Professional Services bei Successnet Software AG, München
2003 bis heute Hochschullehrerin an der FH Vorarlberg
2006 bis heute Studiengangsleiterin InterMedia an der FH Vorarlberg

 

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