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Ulli Retter, Retter Bio-Natur-Resort

Lebensbejahend, wissensdurstig und offen für Veränderungen: Bio-Ulli Retter

21. Oktober 2021 | 16:46 Autor: WIRTSCHAFTSZEIT | Daniela Illich Vorarlberg, Tirol, Wien, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Kärnten, Schweiz, Burgenland, Liechtenstein, Startseite, Steiermark

Ulli Retter hat einen Auftrag: Sie agiert als nachhaltige Vorreiterin und dient damit „etwas Größerem“. In ihrem Retter Bio-Natur-Resort am Pöllauberg in der Oststeiermark hat sie dafür ein privilegiertes Plätzchen. Dort verbindet sie ihre Gäste miteinander und mit der Natur und ermöglicht ihnen persönliche Entfaltung und Bio-Genuss – Letzterer und die Dankbarkeit bereichern ihr Leben täglich. In Workshops gibt sie mit ihrem Team ihr Wissen beim Vegankochen, Fermentieren, Brotbacken, etc. weiter.

Der Retter ist seit bald 30 Jahren biozertifiziert, damals wussten nur wenige, wozu das gut sein soll: Wozu ist es gut?
Bio-Anbau schützt die Natur, Wasser und Umwelt und trägt zum Erhalt der Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit bei. Bio-Landwirtschaft ist garantiert gentechnikfrei. Durch humusfördernde Bewirtschaftungsweisen und den Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide schützt Bio das Klima. Bio ist eine Haltung. Wir Bio-Bauern und -Bäuerinnen leben und wirtschaften mit und im natürlichen Kreislauf der Natur und denken in Generationen. Uns ist wichtig, unseren Nachfahren eine enkeltaugliche Zukunft zu bieten.

Bei Ihnen macht man CO²-neutralen Bio-Urlaub: Was heißt das?
Dank unserer hundertprozentigen Bio-Engagements, der regionalen Mitarbeiter, der ökologischen Bauweise und der nachhaltigen Energieversorgung und des Elektro-Fuhrparks haben wir einen sehr geringen CO²-Ausstoß und es ist für uns nur ein geringer Aufwand, die anfallenden Emissionen für Umweltprojekte zu kompensieren.

Sie sind selbst in einer Landwirtschaft aufgewachsen: Haben Sie den ökologischen Weitblick von Ihren Eltern mitbekommen?
Als Kind bin ich im Gasthof mit einer angeschlossenen Landwirtschaft mit Schweine- und Kuhhaltung großgeworden. Kindergarten gab es damals nicht, wir sind in den Kreislauf der Natur zwischen Geben und Nehmen hineingewachsen. Meine Oma und meine Eltern haben sich auf den ganz normalen Hausverstand verlassen und versucht, so wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig wie möglich zu arbeiten. Was man als Kind als stimmig wahrnimmt, das ersehnt man sich wieder.

Ihre Mutter hat schon in den 1980er-Jahren vollwertig und mit Dinkelmehl gekocht: Ist sie manchmal schief angeschaut worden?
Meine Mutter hat schon immer auf gesunde, vollwertige Küche geschaut, vor allem weil sie selbst ein sehr gutes Bauchgefühl hatte und gemerkt hat, dass sie am richtigen Weg ist, diese in die Wirtshausküche einzubinden. Das hat sich schnell herumgesprochen und so haben das österreichische Skispringerteam und ihre Mentalcoaching Seminare bei uns gebucht. Dadurch kamen noch mehr Anforderungen für eine ausgewogene Ernährung, was wiederum eine Weiterentwicklung mit sich brachte.

Heute leben Sie in einem Resort mit Biolandwirtschaft im Naturpark Pöllauer Tal zwischen Obstplantagen und Wiesen: Ist die Natur Ihr größter Schatz?
Es ist schon ein Geschenk und Segen, dass unser Hotel so fein in die Natur, direkt am Wald, in unsere Bio-Obstgärten und Wiesen eingebettet ist. Auch unsere Gäste wissen das immer mehr zu schätzen, liegen in unseren Hängematten zwischen den alten Obstbäumen, hören das Vogelgezwitscher, ernten die reifen Beeren an den Hecken und riechen die reifen Früchte.

Einkocherei, Kräuterei oder Brennerei – angrenzend an Ihr Resort produzieren Sie im BioGut die Lebensmittel selbst: Was stellen Sie her?
Wir versuchen alles, was um uns herum wächst, zu verarbeiten und werden dabei immer kreativer. Bei Äpfeln, Quitten, Birnen und Beeren versuchen wir Marmeladen, Chutneys, Säfte, Brände, Speiseeis, Dörrobst, Kekse und Sirupe herzustellen.
Aus den Kräutern werden Tees, angesetzte Edelbrände und Zuckerl hergestellt.

Sie verschwenden nichts und verarbeiten Tiere und Pflanzen zur Gänze: Wie schaut so ein geschlossener Lebensmittelkreisläufe konkret aus?
Wir ernten Früchte und Kräuter und machen sie – in welcher Form auch immer –haltbar. Beim Fleisch verwenden wir ausschließlich Tiere aus Bio-Freilandhaltung von regionalen Bauern. Diese werden von unserem Küchenteam und in Kooperation mit dem Labonca-Bio-Hof komplett aufgearbeitet. Dabei entstehen feine Aufstriche, Würste, Salamis. Somit ist Vielfalt am Teller für den Gast garantiert, denn ein Schwein besteht nicht nur aus Filets. Haben die Gäste das einmal wahrgenommen, wird das vielfältige Angebot besonders geschätzt. Unsere Mitarbeiter werden mit denselben Bio-Grundprodukten verpflegt. Aus den stark reduzierten Lebensmittelabfällen wird dann wertvoller Bokashi und Kompost hergestellt, die wir wieder in den Gärten ausbringen. Weiters werden auf dem Bio-Kaffeesud Pilze gezüchtet und die Gemüseabfälle an die Streuobsthühner in unseren Gärten verfüttert.  Bei einer Prüfung von United Against Waste haben wir anstelle von circa 30 % Abfall in der Hotellerie einen Spitzenwert von 13 % von der Anlieferung bis zur Biotonne erzielt.

Was gehört für Sie noch zur Nachhaltigkeit?
Von Anfang bis zum Ende die Dinge durchzudenken, vom ressourcenschonenden Bauen mit regionalen Handwerkern und Naturmaterialien bis zum sorgsamen Umgang mit der Energie. Billig gekauft ist oft sehr teuer, wenn man auf die Kostenwahrheit der Waren und Produkte und Einrichtungen geht. Von dieser Warte finde ich eine hohe Co²-Steuer als dringend notwendig. Dann würde vieles einen längeren Lebenszyklus haben. Nachhaltig ist es auch, langjähriges Know-how durch treue Mitarbeiter und Lieferanten im Betrieb zu halten.

Sie bezeichnen den Retter als lernenden Organismus: Warum?
Gemeinsam mit unseren Gästen und Mitarbeiter haben wir einen Innovationsprozess ins Leben gerufen und bekommen laufend Feedback, um unsere blinden Flecken so klein wie möglich zu halten. So werden Abläufe, Investitionen und Innovationen immer wieder an Gästewünsche und im Sinne der Nachhaltigkeit optimiert.

Sind Sie autark?
Wir haben langjährige Partnerschaften mit regionalen Lieferanten und anstelle autark zu werden, setzen wir auf die Vorbildwirkung und unterstützen regionale Partner, die mit uns den hundertprozentigen Bio-Weg gehen.  

Die Mitarbeiter sind ein wichtiges Kapital im Unternehmen: Wie schauen Sie auf Ihre 100 „Steirerherzen“?
Wir versuchen unsere Mitarbeiter durch maßgeschneiderte Arbeitszeiten und typgerechte Aufgaben abteilungsübergreifend zu fördern und bieten ihnen ein umfangreiches Weiterbildungsangebot. In Kursen in unserem Bio-Gut vermitteln wir Ihnen zudem eine nachhaltige Lebensweise.

Von der Retterei kann man Ihre selbstgemachten Spezialitäten auch mit nach Hause nehmen: Was gibt es da?
Täglich backen wir das gesamte Brot und Gebäck für unser Hotel frisch in unserer Backstube. Das gemahlene Getreide dafür bekommen wir wöchentlich von der Mauerhofer-Getreidemühle in Pöllau. Weiters bieten wir eine große Marmeladevielfalt, Chutneys, Säfte, Sirupe und Tees, die natürlich im Hotel auch am Frühstücksbuffet verkostet werden, an. Edelbrände und Liköre von Quitte, Apfel, Birne, die Spielarten des Retter-Tschins und Zweierlei-Bitter sind beliebte Mitnahmeartikel.

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Retter Hotel GmbH

Pöllauberg 88, 8225 Pöllauberg
Österreich
+43 3335 26 90
[email protected]retter.at
www.retter.at

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