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Alexander Ehrmann

Medizinmann Alexander Ehrmann: Apotheker, Kräutersammler und Zuhörer

30. September 2021 | 10:52 Autor: Daniela Illich | WIRTSCHAFTSZEIT Vorarlberg, Tirol, Steiermark, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Kärnten, Schweiz, Burgenland, Liechtenstein, Deutschland, Startseite, Wien

„Mit unserer Wissenschaft und Philosophie sind wir eine Apotheke für Gesunde, die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen und ihr Wohlbefinden hegen und erhalten wollen!“ Alexander Ehrmann führt als Pharmazeut in sechster Generation die Saint Charles Apotheke in Wien-Mariahilf. Seine Kunden kommen in die Apotheke, weil sie ein Medikament brauchen. Bei ihm bekommen sie Traditionelle Europäische Medizin und ein ganzheitliches Rundumpaket. Ehrmann hat nach seiner eigenen Definition das große Glück, zu 100 Prozent Leidenschaftsprojekte verfolgen zu können, sowohl privat als auch beruflich. Und das macht er mit aller Konsequenz.

Was genau ist Traditionelle Europäische Medizin?
Die TEM ist unsere Naturphilosophie, eine Tradition wie Ayurveda und TCM. Sie basiert auf Naturbeobachtung, das heißt, alle Erkenntnisse sind aus der Natur abgeschaut. Der Mensch wird als Teil der Natur gesehen, in ihm wirken dieselben Kräfte wie im Naturgeschehen. Der Fokus bei der TEM liegt auf der Betrachtung des gesamten Körpersystems – Körper, Geist und Seele und nicht nur auf einzelnen Organen. Die Erhaltung und Wiederbelebung des gesunden Gleichgewichts erfolgen durch Ernährung und gute Lebensführung, in Kombination mit natürlichen Heilmitteln. Somit ist die TEM eine äußerst wirkungsvolle Ergänzung zur Schulmedizin.

Das Apothekergen kam mit der Muttermilch, schon als Kind haben Sie mit Ihrem Vater traditionelle Rezepturen abgemischt: War für Sie immer klar, dass Sie die Familientradition fortführen wollen?
Es gibt tatsächlich eine starke, erbliche Komponente, denn ich bin Apotheker in sechster Generation. Ich bin mit der Leidenschaft für den Beruf aufgewachsen. Sportreporter oder Theaterregisseur waren in der erweiterten Auswahl.

Wie sind Sie von der traditionellen Apothekerkunst zur Naturheilkunde gekommen?
Vor allem über meinen Vater, der schon früh eigene Rezepturen entwickelt hat. In unserem Keller stand stets eine Vielzahl von mit diversen Kräutern gefüllten Gläsern, da gab es für mich auch viel Raum für eigene Experimente (lacht). Selbstverständlich habe ich mich auch intensiv mit der Materie beschäftigt und hatte auch andere, wichtige Wegbegleiter, von denen ich viel lernen durfte oder immer noch darf.

Ihre Produkte bestehen ausschließlich aus biologischen Inhaltsstoffen: Warum sind sie besser für die Gesundheit?
Wir arbeiten ganz zentral mit der Kraft und auch Seele (TEM!) der Pflanzen. Diese Power ist entscheidend für die Qualität der Produkte und kann nur von unbelasteten, gesunden Pflanzen stammen. Sie werden den Unterschied zwischen einem Aromaöl aus kontrolliert biologischem Anbau oder einer Alternative auch tatsächlich riechen. Von der Wirkung ganz zu schweigen.

Woher kommt das Wissen über TEM, das lernt man doch nicht im Pharmaziestudium!
Doch, und wie! Voraussetzung ist jedenfalls die Leidenschaft für die Thematik, dann gab es Kurse, Eigenstudium, Austausch mit anderen Experten, etc. Man lernt auch nie aus – die Materie ist umfassend und wahnsinnig spannend.

Ist der moderne Pharmazeut der neue Medizinmann?
Jedenfalls ist man als Apotheker den Menschen sehr nahe. Das bringt einen Auftrag mit sich, den ich sehr ernst nehme und der den Beruf für mich so schön macht. Für die Menschen da zu sein, zuzuhören und etwas zum Besseren zu bewegen. Mit wem unterhält man sich denn sonst über seine Hämorrhoiden oder warum es einem gerade nicht gut geht. Wir verfolgen bei Saint Charles die Mission, das ganzheitliche Wohlbefinden unserer Kunden zu hegen und zu pflegen – das beginnt tatsächlich bei Kräutersammeln, Zuhören, Beraten – und ganz wichtig: mit einem Lächeln und positiver Stimmung.

Sie haben Ihre Apotheke vor 15 Jahren übernommen und aus Zur heiligen Dreifaltigkeit die Saint Charles Apothecary gemacht: Bringt das Englische mehr Kunden?
Der englische Name entstand eigentlich zufällig und sehr spontan, weil ich zur Zeit der Namensgebung eine englischsprachige Mitarbeiterin hatte. Heilig musste die Apotheke in ihrem Namen jedenfalls sein, das schien ja fast üblich zu sein. Der Name Karl stammt von dem Großvater meiner Frau, der für mich in vielerlei Hinsicht eine inspirierende Person war. Dann habe ich meiner Mitarbeiterin die Idee mit dem heiligen Karl erzählt, sie übersetzte spontan „Saint Charles“ – so war der Name geboren.

Auch atmosphärisch gehen Sie in Ihrer Apotheke einen eigenen Weg: Sie haben Apothekerschränke aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, spielen Hintergrundmusik, der Boden ist aus Holz: Warum?
Die traditionelle Apothekereinrichtung aus 1886 habe ich glücklicherweise übernehmen dürfen. Darüber hinaus habe ich einen gewissen Anspruch an Design und Gestaltung – das Wichtigste aber ist der Gedanke, dass sich unsere Kunden bei uns wohlfühlen sollen. Wir möchten sie einladen, unsere Produkte zu entdecken, sich näher mit der Materie zu beschäftigen – dazu gehört einfach ein ansprechendes, lustvolles Setting.

Neben der Apotheke betreiben Sie auch einen Store, einen Naturkosmetikshop, ein kleines Spa für Behandlungen, ein Biowirtshaus und ein Gesundheitszentrum für Therapeuten: Alles in Mariahilf?
Unser Saint Charles Store liegt mitten in der Wiener Innenstadt in der Herrengasse. Die Apotheke, unser Naturkosmetikshop „Cosmothecary“, das „Hideaway“ mit Kosmetikbehandlungen und die „Alimentary“, ein Biowirtshaus, das sich momentan in einer Eneuerungs- und Nachdenkphase befindet, liegen Vis-á-vis der Apotheke in der Gumpendorfer Straße im sechsten Bezirk. Unser „Complementary“-Gesundheitszentrum ist ein paar Meter weiter die Gumpendorfer Straße hinunter. Alles ganz nah dem Naschmarkt – also man kann da so einiges verbinden.   

In Ihrem Saint Charles Store gibt es Tasting-Stationen: Was kann man denn da tasten?
Mit unseren Tasting-Stationen und dem Konzept eines „Experience Stores“ möchten wir möglichst alle Sinne unserer Kunden ansprechen. Denn wenn man heute „offline“ einkaufen geht, möchte man etwas erleben, entdecken und eigentlich sollte man auch abschalten und Freude haben. Wir haben ein großes Sortiment im Bereich der Aromatherapie und verwenden auch für unsere Naturkosmetikprodukte Aromaöle von feinster, biologischer Qualität. Wissen Sie, wie gut das riecht! Wir begleiten unsere Kunden auf ihrer Duftreise und freuen uns über das sichtliche Entzücken, das sich im Gesicht ausbreitet. Selbstverständlich wird auch Tee getastet, Pflanzenöle, die Seife direkt am Waschplatz, die Kosmetik auf der Haut, etc.

Sie verwenden Verpackungen aus Glas und recyceltem Plastik, zusätzliche Umverpackung gibt es keine: War Nachhaltigkeit immer schon ein Thema für Sie?
Tatsächlich ja. Denn wir haben von Beginn weg auf Umverpackung verzichtet und vorwiegend in Glas abgefüllt – da war noch lange keine Rede davon. Wenn man so intensiv mit Pflanzen und der Natur arbeitet, ist es eine Selbstverständlichkeit, sie zu schützen und zu bewahren. Das ist mir auch ein persönliches Anliegen.

Welche Behandlungen bieten Sie im Spa an?
Wir bieten ausschließlich Behandlungen mit reinster Naturkosmetik – und das in entspannter Atmosphäre. Allen voran gibt es großartige Saint Charles-Treatments mit unserer eigenen Herbal Apothecary Facecare-Linie. Wir behandeln nicht nur die Haut, sondern bauen auch gezielt Aromatherapie, spezielle Massagegriffe und unsere Herbal Essences ein. Das Ziel ist ganzheitliche Entspannung von Körper, Geist und Seele zu erreichen, ganz nach den Prinzipien der TEM – für uns eine Voraussetzung für ein schönes Hautbild. Natürlich bieten wir begleitend zu den Behandlungen auf Wunsch auch spezifische Beratung durch unsere Pharmazeuten, wenn beispielsweise der Darm saniert oder gestärkt werden sollte. Da schließt sich der Saint Charles-Kreis dann wieder. Abgesehen von den Saint Charles-Treatments behandeln wir mit fast jeder Naturkosmetikmarke, die wir in unserer Cosmothecary führen.

Sie betreten in Kooperationen gerne fachübergreifendes Terrain: Welche sind besonders spannend?
Aktuell kooperieren wir im Rahmen einiger sehr außergewöhnlicher Hotelprojekte. In Sachen Amenities, Spa, aber beispielsweise auch mit Barkonzepten, wo unsere Kräuteressenzen eingesetzt werden. Das macht wahnsinnig viel Spaß, weil uns da oft die Philosophie, etwas Einzigartiges zu schaffen, mit solchen Partnern zusammenführt. Wir hatten auch schon großartige Kunstprojekte, beispielsweise im Rahmen der Vienna Design Week mit einer außergewöhnlichen Waldinstallation und der Idee, Wald inhalierbar zu machen. Wir schätzen solche Kooperationen sehr und entwickeln uns damit auch weiter.


(Fotos: Tom Linecker)

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Saint Charles Apothecary | Saint Charles Organics GmbH

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