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Martin Ludescher beim Interview

VORGESTELLT | Baurechtsverwaltung AmKumma - Martin Ludescher im Interview

18. Feber 2019 | 11:46 Autor: Wilhelm+Mayer WM | Anzeige Vorarlberg

Seit vier Jahren besteht die Baurechtsverwaltung amKumma. Mag. Martin Ludescher und sein dreiköpfiges Team, bestehend aus einer Bautechnikerin, einem Bautechniker und einer Sekretärin, haben alle Agenden der baurechtlichen Verfahren und deren Verwaltung von den Gemeinden Altach, Götzis, Koblach und Mäder übernommen. Die Entscheidung der Kummenberggemeinden für diesen Zusammenschluss hat zu einer Konzentration der Kompetenzen  n einem Ort geführt.

Fast jeder Vorarlberger hat einmal im Leben etwas mit Bauen zu tun. Wie viele Fälle bearbeiten Sie für die Gemeinden amKumma?

Über die vier Jahre hinweg sind es etwa gleichbleibend ca. 500 Bauvorhaben, die von uns pro Jahr baurechtlich betreut und abgewickelt werden. Wobei einmal diese Gemeinde boomt und das Jahr darauf eine andere. In Summe aber sind wir ziemlich konstant.

Gibt es für sie dabei erkennbare Trends?
Einen Trend, den ich aus unserer Erfahrung nicht bestätigen kann, ist das Ende des Einfamilienhauses. In unserer Region werden jährlich 50 bis 70 davon gebaut. Wobei eine Nachnamensgleichheit der Nachbarn mit den Bauwerbern auffallend häufig ist. Auch die Größe der Baugrundstücke schrumpft im Gegensatz zu den Grundstückspreisen kontinuierlich.

Und wie steht es mit verdichtetem Bauen?
Erfreulich ist, und wird auch von den Gemeinden unterstützt, eine Verdichtung alter Bausubstanz durch Zu- und Umbauten in mehrere Wohneinheiten. Die Großzügigkeit mancher Raumangebote in alten Häusern wird besonders von der Enkelgeneration geschätzt und angenommen.

Im Zusammenhang mit verdichtetem Wohnbau sind natürlich auch die gewerblichen Bauträger zu nennen. Was beobachten sie in dieser Hinsicht?
Auch hier stellen wir fest, dass sich die Hotspots in den Gemeinden verschieben. Einmal wird da mehr gebaut, einmal dort. Verdichtung ist relativ. Während in Götzis meistens mit Teilbebauungsplanlösungen gearbeitet wird, haben andere Gemeinden größere Baugebiete über Bebauungspläne reglementiert. Die Bebauungspläne geben Maßzahlen wie etwa Höhenentwicklungen, Geschoßzahlen und die Baudichten (Baunutzfläche zu Grundstücksfläche) vor. In diesem Rahmen haben sich die Bauwerber dann auch mit ihren Projekten zu bewegen. Bauträger sind aus wirtschaftlichen Gründen geneigt, die zugelassenen Limits auszuschöpfen.

Ist Verdichtung nicht das Gebot der Stunde.
Verdichtetes Bauen wird zukünftig sicher eine größere Rolle spielen. Die Vorarlberger Landesregierung hat in einer Novelle zum Raumplanungsgesetz die Gemeinden verpflichtet, Zonen mit einer höheren Bebauungsdichte auszuweisen. Das wird also entsprechend Wirkung zeigen.

Was sind für die Baurechtsverwaltung die eher schwierigen Fälle?
Industrie- und Gewerbeprojekte werden von der Bezirkshauptmannschaft abgewickelt. Für uns werden jene Fälle schwierig, die durch persönliche Konflikte von Vorneherein belastet sind. Das Baurecht bietet für streitbare Geister leider einige Möglichkeiten, Unfrieden zu stiften. Selten, aber doch, werden wir in solche Fälle hineingezogen. Liegt einmal eine Anzeige vor, müssen wir diese entsprechend dem Baugesetz beurteilen.

Bauen bedeutet für Nachbarn immer eine Veränderung ihrer Umgebung. Wie verhält es sich da mit Widerständen, seid ihr damit häufig konfrontiert?
Natürlich gibt es immer wieder einmal Proteste von Anrainern. Vieles davon können wir im persönlichen Gespräch auf Grundlage des Baurechts klären. Zudem habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich die Bevölkerung der Region etwas an die veränderten Verhältnisse gewöhnt hat. Kleinwohnanlagen gehören heute zum baulichen Alltag.

Die Menschen erwarten meistens, dass die Behörde ihnen rasch einen positiven Bescheid ausstellt. Was raten sie Bauwerbern, dass das auch möglich ist?
Neben vollständigen Unterlagen bewährt es sich, im Vorfeld eines Bauverfahrens mit den Nachbarn Kontakt zu suchen und ihnen das Projekt vorzustellen. Auf dieser Ebene können viele Fragen in der Regel rasch und zur Zufriedenheit aller gelöst werden. Läuft das Verfahren einmal, findet das Baugesetz Anwendung. Da ist es dann eben von Vorteil, wenn etwaige strittige Punkte bereits geklärt sind.

Wenn sie ein Resümee über die letzten vier Jahre ziehen, wie würde das aussehen?
Der gute Kontakt zu den Bürgermeistern, die nach wie vor Baubehörde erster Instanz sind, ist eine notwendige Basis für unsere Arbeit. Wir werden von den Bauwerbern als „neutrale“ Institution geschätzt, die kompetent die korrekte Umsetzung des Baurechts verfolgt – politische Komponente gibt es bei uns keine. Die Arbeitsumgebung hier ist erstklassig. Wir arbeiten als Team, das funktioniert tadellos. Ich denke, sämtliche Gemeinden am Kumma sind mit der damaligen Entscheidung, eine Baurechtsverwaltung für alle zu etablieren, recht zufrieden.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

MAG. Martin Ludescher
(geb. 1983), Leiter der Baurechtsverwaltung amKumma für die Gemeinden Altach, Götzis, Koblach und Mäder

Martin Ludescher lebt in Hohenems, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit der Zusammenführung der Baurechtsabteilungen der einzelnen Kummenberggemeinden zur Baurechtsverwaltung amKumma leitet er diese Institution mit Sitz in Koblach. Ludescher hat ein Jus-Studium in Innsbruck absolviert. Danacharbeitete er im Landesdienst, wo es erste Berührungspunkte mit dem Vorarlberger Baugesetz gab.

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