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Dr. Ruth Jochum-Gasser leitet das Qualitätsmanagement der NTB und analysiert dabei regelmässig und kritisch, ob die Hochschule ihren Auftrag zur vollen Zufriedenheit aller Anspruchsgruppen erfüllt.

«Qualität heisst, zu erfüllen, was wir ankündigen»

27. Juni 2019 | 15:37 Autor: NTB FOLIO | Anzeige Vorarlberg, Deutschland, Liechtenstein, Schweiz

Die Anforderungen an moderne Fachhochschulen sind hoch – insbesondere im zukunftsgerichteten Ingenieursbereich. Permanente Qualitätsprüfung und Weiterentwicklung des Angebots sind immens wichtig. Dr. Ruth Jochum-Gasser ist Leiterin des Qualitätsmanagements an der NTB. NTB FOLIO diskutiert mit ihr darüber, was Qualität ist und wie sie weiterentwickelt wird.

Die NTB gilt als eine der renommiertesten technischen Hochschulen der Schweiz. Sie ist eine kleine Hochschule, geniesst aber seit bald 50 Jahren einen sehr guten Ruf in Bildung und Forschung. Worauf führen Sie das zurück?
Die NTB ist sehr gut in der Region verankert. Wir dürfen stolz sein auf die Vernetzung mit führenden Industriebetrieben im Rheintal, mit denen uns teils jahrzehntelange Kooperationen verbinden. Dies erlaubt eine ausgeprägte Verknüpfung von Lehre, Forschung und Praxis, wovon die künftigen Ingenieurinnen und Ingenieure stark profitieren. In den sieben Instituten der NTB arbeiten international renommierte Spezialistinnen und Spezialisten in der angewandten Forschung und Entwicklung. Im Austausch mit Industriepartnern generieren sie institutsübergreifend einen wesentlichen Beitrag zu Produkt- und Prozessinnovationen in der Region und darüber hinaus.

Wie definieren Sie Qualität?
Qualität heisst für mich, zu erfüllen, was wir unseren Kunden – Studierenden und Industriepartnern – versprechen: technische Aus- und Weiterbildung sowie anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau. Nur den Auftrag zu erfüllen, ist uns nicht genug. Wir sind als Hochschule verpflichtet, Vordenker zu sein. Die Studierenden, welche die NTB gewählt haben, vertrauen darauf, dass wir sie fit für die Zukunft machen. Sie verbringen hier die wertvolle Zeit ihrer Ausbildung. Das ist eine grosse Verpflichtung für die Interstaatliche Hochschule für Technik. Wir sind uns dieser Verantwortung sehr bewusst.

Wie sichern Sie die Qualität an der NTB?
Qualitätssicherung an der NTB heisst, dass wir uns in der Praxis sehr genau, regelmässig und kritisch ansehen, ob wir unseren Auftrag erfüllen – und uns damit selbst laufend verbessern.

Wie sieht dies konkret aus?
Wir bauen Qualität auf unserem Leitbild, der Vision, unseren Werten und der Hochschulstrategie auf. Qualitätsmanagement bezieht sich dabei auf alle Bereiche der NTB: Lehre, Forschung, Dienstleistungen, Infrastruktur, Umgang mit Ressourcen, interne und externe Kommunikation, Governance und natürlich die Leitung und Organisation. Kundennutzen und Mehrwert schaffen – das ist unsere Vision. Wir richten uns an den konkreten Bedürfnissen der Wirtschaft aus, überlegen aber auch, was diese in der Zukunft benötigt.

Das Qualitätsmanagement unterstützt uns dabei, zu gewährleisten, dass wir die gesteckten Ziele erreichen und die NTB kontinuierlich verbessern. Wir arbeiten mit vier Instrumenten im KVP-Prozess: Prozess-Audits, Kennzahlen-Cockpit, betriebliches Vorschlagswesen sowie Zufriedenheitsumfragen unter Mitarbeitenden, Studierenden und Industrie-Kunden.

Wie schaffen Sie es, alle an der Hochschule Beteiligten mit diesen Werkzeugen in die Qualitätsentwicklung einzubinden?
In unserem Qualitätsleitbild, das Orientierungshilfe und Richtschnur ist, halten wir fest, dass wir uns bei der Leistungserbringung an transparente Prozesse halten. In Managementprozessen, Kernprozessen und Supportprozessen haben wir definiert, wie wir arbeiten. Kernprozesse sind die Lehre, Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie Dienstleistungen für externe Auftraggeber. Die Mitarbeitenden auditieren diese Prozesse alle zwei Jahre selbst und verbessern Prozesse, die sich in der Praxis nicht bewährt haben.

Im Kennzahlen-Cockpit erheben wir jährlich kundenbezogene, mitarbeiterbezogene und gesellschaftsbezogene Ergebnisse. Kennzahlen sind beispielsweise die Anzahl der Praxisprojekte, Partnerschaften, Publikationen, Zufriedenheit mit dem Studium, den Lehrinhalten und den Dozierenden, Praxisbezug, Bewältigung des Studiums in der vorgesehenen Zeit, eine stimmige Work-Life-Balance oder die Weiterempfehlungsrate. Diese Informationen erhalten wir unter anderem aus den regelmässigen Studierendenumfragen.

Inwiefern sind auch die Beurteilungen Ihrer Absolventinnen und Absolventen aus der Wirtschaft wichtig?
Wir betrachten ganz genau, wie gefragt unsere Absolventen am Arbeitsmarkt sind und wie zufrieden die Arbeitgeber mit unseren Abgängerinnen und Abgängern sind. Erachten die Arbeitgeber unsere Abgänger als «fit for the job» und «fit for use», decken wir also den Bedarf der Wirtschaft an bestens ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren? Dass dem so ist, zeigt sich unter anderem am jährlich stattfindenden Stellenbörsentag der NTB. Dieses Jahr haben 75 Firmen ihre Stellen- und Karrierechancen präsentiert! Auch aus der hohen Anzahl an langfristigen Partnerschaften ziehen wir Rückschlüsse auf die Zufriedenheit mit unseren Leistungen.

Welche weiteren Informationen nutzen Sie für die Qualitätsbeurteilung?
Hochschulversammlung, Konvente, interne Konferenzen und Studierendenversammlungen liefern wertvolle Informationen. Im Rahmen des betrieblichen Vorschlagwesens bringen die Mitarbeitenden Verbesserungsvorschläge in verschiedensten Bereichen ein. Wir erheben beispielsweise die Anzahl der umgesetzten Sicherheitsmassnahmen, den Energiebedarf pro Mitarbeiter oder die Produktion von PV-Energie.

Wie verfahren Sie mit dieser riesigen Menge an Daten?
Wir analysieren die gewonnenen Informationen, schauen uns die Entwicklung der letzten Jahre an und vergleichen uns mit Ergebnissen anderer Hochschulen. Anhand unserer Qualitätskriterien, den Zielwerten und externen Benchmarks erhalten wir ein klares Bild, wo wir stehen. Wenn die Soll-/Ist-Analyse ergibt, dass Verbesserungen nötig sind, bestimmen wir Massnahmen und setzen diese um. Nach einem gewissen Zeitraum prüfen wir, ob sie gefruchtet haben. Im Jahr 2017 haben wir das Qualitätslabel «Recognised for Excellence 3 Star (R4E***)» der European Foundation for Quality Management (EFQM) erhalten. Damit analysieren wir auch unser Qualitätssicherungssystem.

Nach welchen Kriterien beurteilen Sie die Qualität der Studiengänge und wie entwickeln Sie diese weiter?
Der Ausbau und die Anpassung des Studienangebots der NTB gehören zur Strategie der NTB. Damit ein berufs- und lebensbegleitendes Studienmodell erfolgreich angeboten werden kann, sind die zugehörigen Prozesse von der Marktbeobachtung über die Entwicklung der Lern-/Lehrinhalte bis zur Einführung in das Curriculum für die Studierenden aufeinander abgestimmt und werden zyklisch hinterfragt. Das Angebot ist ausgerichtet auf ingenieurwissenschaftliche Grundlagen und ein breites Methodenwissen, um damit Problemstellungen, die heute noch nicht absehbar sind, lösungsorientiert angehen zu können.

Dass unsere Studiengänge praxisnahes Ingenieurwissen vermitteln, bestätigen die Industriepartner immer wieder. Sie helfen uns aber auch, diese laufend zu verbessern. Die Dozierenden stehen in engem Kontakt zu den Industriepartnern und diskutieren in regelmässigen Arbeitsgruppen technische und technologische Entwicklungen. Im Rahmen des erweiterten Leistungsauftrags führen die Dozierenden neben der Lehre Projekte im Technologietransfer und in der Weiterbildung durch. Ein direktes Resultat dieses Prozesses ist z. B. die Systemtechnik-Akademie. Die meisten Dozierenden der NTB sind Mitglieder in Berufsverbänden oder in Arbeitskreisen von Industrie- oder Interessensverbänden aktiv. Sie besuchen laufend Vortragsveranstaltungen und Seminare oder halten diese selbst. Die Studiengangleitungen stehen in stetem Informationsaustausch mit anderen Hochschulen, Hochschulverbänden und Bildungseinrichtungen in der Schweiz und den angrenzenden deutschsprachigen Ländern. Auch die Hochschulleitung, die Mitglieder des Beirats «Ausschuss Lehre, angewandte Forschung & Entwicklung» bzw. des Hochschulrates bringen wertvolle Impulse zur Weiterentwicklung ein.

Daraus abgeleitete Anpassungen in der Lehre werden in den Curriculumsgruppen abgestimmt, meist gibt es vorab noch Interviews mit involvierten Parteien und ein externes sounding board.

WeIches waren die wichtigsten Anpassungen, die in den letzten Jahren vorgenommen wurden?
Wir haben zahlreiche Innovationen in der Technik, in den Prozessen und in den Methoden umgesetzt. In den letzten Jahren hat sich Photonik zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt – eine Technologie, welche auch in unserer Region stark vertreten ist, nicht umsonst wird das Rheintal auch als Photonik-Valley bezeichnet. Die Industrie hat bei der NTB einen entsprechenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachleuten angemeldet. Wir haben die Studienrichtung Photonik eingeführt, im Jahr 2018 konnten wir bereits die ersten zehn Bachelordiplome der Systemtechnik mit Studienrichtung Photonik verleihen. Aktuell gestartet wurde das Projekt Werkstoffe/Material in der Systemtechnik. Im Bachelorstudium haben wir die erste hybride Lernfabrik der Region in Betrieb genommen (siehe NTB FOLIO 2018-11). Damit unterstützen wir die IT-Bildungsoffensive und haben die Digitalisierungsgrundlage für unsere Studierenden gelegt.

Die promovierte Betriebswirtin, Kunsthistorikerin und Übersetzerin
Dr. Ruth Jochum-Gasser war bis Ende 2018 Leiterin der Stabsstelle Qualitätsentwicklung und Akkreditierung an der Universität Liechtenstein. An der Universität Innsbruck arbeitete sie am Institut für Dienstleistungswirtschaft, promovierte zum Thema «Wissenstransfer in vernetzten Systemen», baute das Universitätszentrum Obergurgl als Geschäftsführerin in ein florierendes Forschungs- und Tagungszentrum um und konzipierte im Auftrag des Rektors eine neue Fakultät. Sie war Seniorberaterin in einem international führenden Consultingunternehmen für Organisationsentwicklung, Change Management, Wissenstransfer, Qualitätssicherung und leitete als Geschäftsführerin das Festspiel- und Kongresshaus Bregenz. Sie wirkt an fakultätsübergreifenden Forschungsprojekten mit, hat Lehraufträge für Kultur und Kunst, engagiert sich in der Kunstvermittlung und ist Sachverständige der EU-Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur in Brüssel.

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