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Baumeister Ing. Peter Keckeis im Gespräch

VORGESTELLT | Baumeister Ing. Peter Keckeis im Gespräch

24. Juli 2019 | 17:43 Autor: Wilhelm+Mayer WM | Anzeige Vorarlberg

Nächstes Jahr werden es fünf Jahre, in denen Peter Keckeis als Vorsitzender der Bauinnung vorsteht – mit im Team: Alexander Stroppa (Hilti+Jehle) und Johannes Wilhelm (Wilhelm+Mayer). Mit Innungsgeschäftsführerin Stephanie Hollenstein bilden sie die Speerspitze der Interessensvertretung „Bau“ in Vorarlberg. Das Magazin geht im Gespräch mit Innungsmeister Peter Keckeis den aktuellen Themen der Vorarlberger Bauwirtschaft auf den Grund.

Nächstes Jahr hast du deine erste Funktionsperiode als Ausschussobmann der Bauinnung hinter dir. Kannst du vorab schon eine Zwischenbilanz ziehen?
Eines kann ich schon jetzt mit Bestimmtheit sagen, wenn du so eng dabei bist, erfährst du erst, wie viele Entscheidungen in Vorarlberg und in Wien bei der Bundesinnung zu treffen sind. Was auch bedeutet, dass das Produzieren immer neuer Gesetze und Verordnungen mit einer ungeheuren Geschwindigkeit vor sich geht. Ohne einen guten Stab an Mitarbeitern bei der Landes- und Bundesinnung wäre das nicht zu bewältigen.

Alles natürlich wichtige Themen?
Wichtig sind natürlich alle. Bei manchen fragt man sich dann doch wieso? Aber es passiert, wenn auch ganz selten, dass Sachen durchrutschen, wo sich die Frage stellt, wie konnte so etwas mit Zustimmung der Unternehmervertreter beschlossen werden. Die Funktionäre tragen dabei schon eine große Verantwortung.

Weniger wäre mehr?
Ja, so könnte man es zusammenfassen. Weniger aber wirklich wichtige Themen, klare Entscheidungswege und klar zugeordnete Kompetenzen und etwas mehr Praxisbezug, etwas weiter oder zu Ende gedacht. Das wäre schon hilfreich.

Werden wir etwas konkreter. Was würdest du als wichtige Themen in Vorarlberg sehen?
Was uns intensiv beschäftigt, ist die Personalknappheit. Damit sind wir nicht alleine, aber die Situation ist schwierig. Einerseits Lehrlinge zu gewinnen und diese dann auch dauerhaft für die Unternehmen zu begeistern, andererseits Facharbeiter oder auch nur Bauhelfer auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Was ist das Problem bei Zweiteren?
Konkret? Die Fremdsprachenkenntnis, die du können müsstest, um mit den angebotenen Bauhelfern zu kommunizieren, lernt man in keiner Schule in Vorarlberg. Damit meine ich aber nicht primär Flüchtlinge, die sind motiviert und können in der Regel bald etwas Deutsch, um sich zu verständigen. Abdecken kannst du solche Spitzen nur über Leasingfirmen.

Umso wichtiger ist die Lehrlingsausbildung?
Ja, so ist es. Da sind wir auf Bundes- und Landesebene sehr engagiert. Es geht um die Aufwertung des Berufes oder der Berufe und auch um die Einführung digitaler Instrumente. In Vorbereitung ist etwa eine Tablet-Aktion der Bundesinnung. Jeder Lehrling erhält im Herbst 2019 zu Beginn des 2. Lehrjahres ein Tablet. Dieses ist ausgestattet mit Internet-Zugang und vorinstallierten E-learning-Programmen sowie weiteren Apps zu den Themen Arbeitssicherheit, Normen, Baustellendokumentation, umweltgerechte Entsorgung und vielen Inhalten mehr. Das soll die Hochbauspezialisten von Morgen heute schon digital fit machen. Die Tablets sollen auch mit den Programmen der Unternehmen vernetzt werden können. Nach Abschluss der Lehre dürfen die fertigen Gesellen die Tablets behalten.

Das klingt ja richtig gut!
Das ist es auch. Nur allzu oft können die Gewerbebetriebe das nicht ernten, was sie gesät haben. Lehrlingsausbildung geschieht zu einem großen Teil in den gewerblichen Betrieben. Nach der Lehrausbildung suchen viele eine neue Herausforderung und besser bezahlte Positionen. Wenn es dem Ausbildungsbetrieb nicht gelingt attraktiv genug zu sein, geht ihnen die wertvolle Ressource verloren – bestausgebildete Fachkräfte. Daran müssen wir arbeiten.

Ein weiteres Thema hat die Rohstoffstudie des Landes aufgeworfen.
Die Studie hat dramatisch aufgezeigt, wie sich die heimische Rohstoffgewinnung bei Aufrechterhaltung des jetzigen Bewilligungsniveaus in den nächsten Jahren entwickeln wird. Ich bin zuversichtlich, dass da rechtzeitig Lösungen gefunden werden. Hinterfragenswert ist für mich dabei die Kompetenzverteilung. Die Verhandlungen bei einem solchen Bewilligungsverfahren sind derart komplex, dass sie von einer zentralen Behörde wahrscheinlich effizienter geführt werden könnten, als von den durchaus bemühten Bezirkshauptmannschaften. Beispiele dafür gäbe es in Österreich.

Du hast im Vorfeld davon gesprochen, dass eine Bauaushubdeponienstudie ebenfalls notwendig wäre.
Die neueste Gesetzgebung geht davon aus, dass es nur Riesenbaustellen in Österreich gibt. Dass beim Bau eines Einfamilienhauses oder einer Kleinwohnanlage auch Aushübe anfallen, kommt in den Überlegungen zu wenig vor. Wendet man die Vorschriften dort an, führt das zu einer völlig absurden Kostenbelastung, die nicht zu rechtfertigen ist. Eines der Themen, die in der sauberen Umgebung von Büroräumlichkeiten entschieden wurde, ohne die breite Wirklichkeit vor Augen zu haben.

Was uns intensiv beschäftigt, ist die Personalknappheit. Einerseits Lehrlinge zu gewinnen und dauerhaft für die Unternehmen zu begeistern, andererseits Facharbeiter oder Bauhelfer auf dem Arbeitsmarkt zu finden.
Baumeister Ing. Peter Keckeis

Alles Gute für deine weitere Amtszeit und herzlichen Dank für das Gespräch.

BAUMEISTER ING. PETER KECKEIS
ist Obmann der Vorarlberger Bauinnung. Dabei vertritt er ca. 600 Unternehmen mit insgesamt 4.000 Beschäftigten und rund 200 Lehrlingen. Österreichweit erzielen Baugewerbe und -industrie einen Produktionswert von rund 20 Mrd. Euro. Peter Keckeis führt ein Steinbruch- und Bauunternehmen mit ca. 50 Mitarbeitern. Gegründet wurde das Unternehmen von seinem Großvater im Jahr 1909.

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