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Doppelmayr Gruppe mit gutem Geschäftsjahr 2019/20 – Pandemie-Folgen beeinflussen Zukunft

15. Oktober 2020 | 07:43 Autor: Doppelmayr Startseite, Vorarlberg

Wolfurt (A) Die aktuelle Situation stellt sich für den internationalen Seilbahnhersteller zwiespältig dar. Die Doppelmayr Gruppe konnte im letzten Geschäftsjahr noch einen Umsatz von 872 Mio. Euro erzielen. Nach einem vielversprechenden Start im Jänner 2020 machten sich jedoch die Folgen von COVID-19 immer stärker bemerkbar, erklärt Thomas Pichler, geschäftsführender Direktor der Doppelmayr Holding SE. Ein branchenweiter Umsatzeinbruch von einem Drittel zwingt auch Doppelmayr zu Maßnahmen. „Nach mehreren Monaten Kurzarbeit müssen wir jetzt unseren Personalstand an die veränderte Auftragslage anpassen,“ so Pichler.

Umsatz zu 80 Prozent vom Tourismus abhängig
Im Geschäftsjahr 2019/20 (01.04.2019 bis 31.03.2020) entfielen rund 50 Prozent des Umsatzes auf jenen Markt, der massiv vom Wintertourismus geprägt ist. Das verdeutlicht, wie wichtig die Skiregionen in den Alpenraum-Ländern Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und Frankreich für die Unternehmensgruppe sind. Die Abhängigkeit vom Winter-, Sommer-, Ausflugs- und Freizeitparktourismus liegt bei ca. 80 Prozent.

2019/2020 wurde in den Wintersportgebieten in neue Seilbahnanlagen und große Zubringeranlagen investiert, um das Angebot und den Komfort für die Gäste weiter zu erhöhen. So ist zum Beispiel seit Dezember 2019 das neueste Kabinenmodell ATRIA in Kaprun am Kitzsteinhorn (AUT) im Einsatz. Die Seilbahnkabine spielt als wichtiger Erlebnisraum eine immer größere Rolle. Mit ATRIA wurde ein herausragendes Design entwickelt, gleichzeitig werden den Fahrgästen neue Möglichkeiten für Information und Unterhaltung geboten.

Wichtige Impulse durch neue Projekte

Obwohl das laufende Geschäftsjahr stark von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen sein wird und insgesamt mit einem massiven Umsatzrückgang zu rechnen ist, konnte sich die Doppelmayr Gruppe in den letzten Monaten einige wichtige Aufträge sichern. „Durch die Corona-Krise kam es zu einem abrupten Einbruch bei den Aufträgen und auch in der Angebotslegung. Daher geben uns neue Aufträge trotz der branchenweiten schlechten Prognosen wieder Hoffnung und Zuversicht. So konnten wir dank der Investitionsprämie vor allem Aufträge in Österreich gewinnen. Das schafft Planungssicherheit, auch wenn das Marktvolumen weltweit um ein Drittel schrumpfen wird. Auch Ausschreibungen für Anlagen in Mittel- und Südamerika stehen auf dem Programm,“ so Pichler. Dennoch müsse man derzeit von einem Minus von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgehen.

Branchenweiter Rückgang
Seit März konnte die Situation mit Kurzarbeit für mehrere Hundert Mitarbeiter überbrückt werden. 120 Leasing-Mitarbeiter, die für Spitzenproduktionszeiten eingestellt waren, wurden über den Sommer bereits nicht mehr beschäftigt. Jetzt spürt auch die Doppelmayr Gruppe, so wie die gesamte Seilbahnbranche, die massiven Auswirkungen der Pandemie. „Trotz einiger attraktiver Einzelprojekte reduzierte sich die Auftragslage in den letzten Monaten deutlich, und ein unsicherer Winter mit wenig oder verschobenen Investitionen in Seilbahnen kommt auf uns zu“, beurteilt Thomas Pichler die Lage. „Wir müssen daher davon ausgehen, dass auch unser Umsatz um 30 Prozent sinken wird. Leider haben diese massiven und nicht vorhersehbaren Rückgänge Auswirkungen auf unseren Personalstand. Wir sind gezwungen, uns von 190 von weltweit 3.400 Mitarbeitenden zu trennen, davon 95 am Standort Wolfurt. Wir gehen davon aus, dass wir mit diesem neuen Personalstand für die nächsten Jahre eine stabile Mitarbeiterzahl haben.“

Rekordzahl an Lehrlingen
Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereits informiert. Es werden derzeit Gespräche mit ihnen geführt, um sozial verträgliche einvernehmliche Lösungen zu finden. Thomas Pichler ist sich dieser schwierigen Situation für alle Betroffenen bewusst. Als Anlagenbauer mit Höhen und Tiefen in der Auslastung hat man bei Doppelmayr gelernt, mit Krisen umzugehen. „Auch bei der Finanzkrise 2008/09 mussten wir Personal abbauen. Seit dieser Zeit haben wir unseren Personalstand allerdings weltweit um 800, davon in Österreich um über 400 Stellen, wieder deutlich erhöht. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir auch diese Situation meistern werden, mit großem Engagement neue Aufträge gewinnen und wieder neue Arbeitsplätze schaffen können. Ein Symbol für unsere Zuversicht ist der Höchststand an Lehrlingen in diesem Herbst. 36 Lehrlinge – von insgesamt 124 – wurden dieses Jahr in Wolfurt neu aufgenommen und werden in den nächsten drei Jahren weiterhin hervorragend ausgebildet, damit wir auch in Zukunft gemeinsam innovative Seilbahnanlagen in den Bergen und in Städten bauen können.“

Zukunft: Wintertourismus und urbane Mobilität
Die Doppelmayr Gruppe hat mit der Seilbahn ein einzigartiges Produkt, das in vielen Bereichen eindrückliche Erlebnisse schafft, ob am Berg oder in Freizeitparks. Urbane Seilbahnen werden weiter an Bedeutung gewinnen, zumal sie als nachhaltige Verkehrsmittel klare Vorteile für die Mobilitätswende bieten. Das Hauptgeschäft für Doppelmayr sieht Thomas Pichler nach wie vor im Wintertourismus. „Das Bedürfnis der Menschen nach Reisen sowie Sommer- und vor allem Wintererlebnis am Berg ist vorhanden. Unsere Kunden kämpfen für den Wintertourismus und wir als Seilbahnhersteller kämpfen mit ihnen.“

Factbox Geschäftsjahr 2019/20 (1.4.–31.3.)
Umsatz
: 872 Mio. Euro
Mitarbeiter weltweit: 3.403
Mitarbeiter in Österreich: 1.665

Abgeschlossene Seilbahn-Projekte im Geschäftsjahr 2019/20 (Auswahl)

100-FUF Falginjochbahn 3.113 m, Feichten im Kaunertal, AUT
100-ATW Arosa Weisshorn, 1. Sektion, Arosa, CHE
32-TGD 3K K-onnection, Kaprun, AUT
10 MGD Cheongpung Cable Car, Jecheon City, KOR
10-MGD 12er Kogel 1.+2. Teilstrecke, Hinterglemm, AUT
6-CLD-B Levi West, Levitunturi, FIN
6-CLD-B Bamby, Seiser Alm, ITA

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