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Arbeitszeit-flexibilisierung Voraussetzung für erfolgreichen Wirtschaftstandort

12. August 2004 | 12:54 Autor: WKV Vorarlberg
Die Wirtschaftskammer Vorarlberg hat bereits im vergangenen Herbst konkrete Vorschläge für eine flexible Arbeitszeit gemacht und Minister Bartenstein überreicht. Jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache.

Hier die Vorschläge der Kammer.

- Wichtigstes Anliegen für eine funktionierende Arbeitszeitflexibilisierung ist die Verlagerung auf die betriebliche Ebene. Arbeitszeitmodelle funktionieren erfahrungsgemäß dort am besten, wo sie im Unternehmen – getragen von Arbeitnehmern und -gebern – entwickelt und gelebt werden. Die Regelungen in den Kollektivverträgen haben sich bisher als nicht wirklich praktikabel erwiesen, weil der gesetzliche Spielraum eingeschänkt wird und die Bedürfnisse von Unternehmen auch innerhalb einer Branche zu unterschiedlich sind.

 

- Stärkere Öffnung der Normalarbeitszeit-Eckpunkte für flexiblere Normalarbeitszeiten, das heißt konkret: Anhebung der täglichen Normalarbeitszeit auf zehn Stunden. Das erhöht die Flexibilität und bringt eine Vereinfachung: Einheitliche Regelung und Wegfall von Sonderbestimmungen. Wichtig: die wöchentliche Normalarbeitszeit bleibt unverändert, es gibt keine Ausweitung der Normalarbeitszeit.

 

- Sozial verträgliche Lockerung der Gesamtarbeitszeiten, d. h. bei einer erlaubten Tagesarbeit von grundsätzlich zehn Stunden soll an max. drei Tagen in der Woche eine Ausdehnung bis zu 11 Stunden oder an max. zwei Tagen wöchentlich bis 12 Stunden möglich sein. Diese Regelung kann nicht über das ganze Jahr angewandt werden, sondern nur in 26 Wochen jährlich. Dieser Vorschlag ermöglicht der Wirtschaft, Auftragsspitzen schnell und effektiv zu erledigen und eröffnet Mitarbeitern neue Möglichkeiten, die ihnen Zeit für Familie und Freizeit lassen.

 

- Eine erlaubte Wochenarbeit von 55 Stunden bei einer Durchrechnung von durchschnittlich 48 Stunden wöchentlich in 17 Wochen. Derzeit sind zehn Überstunden pro Woche erlaubt plus 60 über das Jahr verteilte Überstunden. Die Durchrechnung bleibt in unserem Vorschlag die gleiche: Durchschnittlich 48 Stunden wöchentlich in 17 Wochen.

 

- Flexiblere Ruhepausen und tägliche Ruhezeiten: die Möglichkeit zur Teilung bzw. Verkürzung von Pausen und Ruhezeiten im Betrieb sollte gegeben sein.

 

- Die Strafbarkeit sollte auf erhebliche Übertretungen beschränkt werden. Durch den Wegfall bei bloß leichter Fahrlässigkeit und vor allem durch den Wegfall des derzeit angewandten Kumulationsprinzips soll eine Entkriminialisierung bei Übertretungen erreicht werden und unrealistisch hohe Strafen verhindert werden.

 

- Das Arbeitszeitgesetz muss entrümpelt werden. Das führt zu einer Vereinfachung und vor allem auch besseren Verständlichkeit. Die Aufzeichnungspflichten werden so auf das unbedingt notwendige Ausmaß eingeschränkt, die Regeln können leichter eingehalten werden.

 

Kommentar: „Keine Chance, Ein Muß

 

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist Bestandteil des Regierungsprogrammes, der Wirtschaftsminister hat eine Neuregelung des Arbeitszeitgesetzes für vergangenen Herbst angekündigt, geschehen ist bislang nichts. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg fordert schon seit langem flexiblere Arbeitszeiten und hat konkrete Maßnahmen ausgearbeitet. Zusammen mit Praktikern und mit einem der Experten für Arbeitszeit in Österreich, Prof. Franz Schrank von der Universität Wien, haben wir ein Vorschlagspaket erarbeitet, das den Betrieben effizientes Arbeiten erlaubt und – das ist uns besonders wichtig – den Mitarbeitern wesentlich bessere Möglichkeiten zur Zeiteinteilung lässt: Denn eines ist klar – nur wenn auch die Arbeitnehmer von flexibleren Arbeitszeiten profitieren, wird sich an dieser starren Front etwas ändern. 

 

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist eines der wenigen Instrumente, die es uns noch ermöglichen, Vorteile im internationalen Wettbewerb zu realisieren. Um es kurz zu sagen: Wir wollen die bisherigen Gesetze entrümpeln.

 

- Statt den vielen verschiedenen Bestimmungen, die die Arbeitszeit für zahlreiche Berufsgruppen anders regeln, wollen wir einen Zeitrahmen, der für alle Branchen gilt.

 

- Der Zeitrahmen muss für alle durchschaubar sein – nur wenn jeder Arbeitnehmer die selbe Transparenz hat wie der Arbeitszeitexperte, wird tatsächlich mit den flexiblen Arbeitszeiten gearbeitet.

 

- Wir wollen, dass die Arbeitszeiten auf Betriebsebene ausgearbeitet werden, also dort wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer tatsächlich die Bedürfnisse kennen. Bisher sind die Arbeitszeiten auf KV-Ebene ausgehandelt worden, ein Modell, das sich längst als bleiern erwiesen hat und unsere Unternehmen hindert, schnell auf Bedürfnisse der Kunden zu reagieren.

 

- Wir wollen zudem wegkommen von der Kumulierung von Strafen, die zu einer nicht nachvollziehbaren Härte führen.

 

Kuno Riedmann,

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg

 


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