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Pensionskassen: Weiterer Ausbau der Firmenpensionen notwendig

08. November 2005 | 13:35 Autor: WKÖ Vorarlberg
Pensionslücken können nur mit Firmenpensionen geschlossen werden ­ Pensionskassen fordern stärkere Einbindung in Kollektivverträge.

Schon jeder fünfte Arbeitnehmer in Österreich hat Anspruch auf eine Firmenpension. Den Pensionskassen ist das noch zu wenig ­ sie warnen davor, dass die durch sinkende staatliche Pensionen absehbare Pensionslücke nicht geschlossen werden kann. Anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens zogen die Sprecher der Pensionskassen am Dienstag Bilanz und präsentierten im Rahmen einer Pressekonferenz ihre Vorschläge zur Sicherung der Altersvorsorge.

 

Um den Lebensstandard im Alter sichern zu können, werden die Österreicherinnen und Österreicher vermehrt auf Firmenpensionen setzen müssen. Damit könnte die absehbare Pensionslücke aus der gesetzlichen Vorsorge geschlossen werden. Die "Zweite Säule" ist als zweites Pensionsstandbein hierzulande aber noch zu klein, um diese Sicherheit für alle Betroffenen garantieren zu können. Erst sieben Prozent der Pensionszahlungen kommen aus dem Topf der Firmenpensionen, die restlichen 93 Prozent stammen aus gesetzlichen Pensionen, erklärte Christian Böhm, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen: "Die Pensionskassen wurden in Österreich sehr spät eingeführt. Wir sind daher in einer Aufholjagd, die beschleunigt werden muss. Eine gute Lösung wäre es, Firmenpensionen verstärkt in den Kollektivverträgen zu verankern."

 

Trotz starker Zuwachsraten von rund zehn Prozent pro Jahr hat in Österreich erst jeder fünfte Erwerbstätige Anspruch auf eine Firmenpension. Die Pensionskassen verwalten für die Arbeitnehmer derzeit ein Vermögen von 11 Mrd. Euro, das entspricht 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Österreich rangiert im OECD-Vergleich damit erst auf Platz 21.

 

Der fortlaufende Bedeutungszuwachs der Pensionskassen ergibt sich aus der demografischen Entwicklung sowie aus der wirtschafts- und sozialpolitischen Weichenstellung zugunsten eines kapitalgedeckten Alterssicherungssystems. Wie Josef Christl, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, betonte, sind ein gutes Risikomanagement und Transparenz wichtige Faktoren für die langfristige Stabilität der Pensionskassen.

 

Das international führende System der Pensionskassen biete bessere Ertragschancen als andere Vorsorgemodelle: Bereits ein Prozent mehr Veranlagungsergebnis auf der Ertragsseite bedeutet bei Pensionsantritt eine um rund 40 Prozent höhere Firmenpension. Böhm: "Bei Pensionskassen zählt die langfristige Entwicklung. Durch die Veranlagung auf den Kapitalmärkten sind Firmenpensionen auch kurzfristigen Schwankungen ausgesetzt. Das ändert aber nichts daran, dass man langfristig mit Pensionskassen besser unterwegs ist als mit anderen Vorsorgemodellen." Seit 1997 erwirtschafteten die Pensionskassen für ihre Kunden eine Wertsteigerung auf 140 Prozent des einbezahlten Vermögens.

 

Die Pensionskassen erzielten für die Pensionen im ersten Halbjahr 2005 eine Wertsteigerung von 5,7 Prozent. Gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres ist das eine Steigerung um 70 Prozent. Fritz Janda, Geschäftsführer des Fachverbandes der Pensionskassen: "Der langjährige Durchschnitt von 6,9 Prozent Veranlagungsergebnis pro Jahr ist auch für 2005 in greifbarer Nähe.“

 

Innerhalb der ersten fünfzehn Jahre entwickelten die heimischen Pensionskassen umfassende Standards. Dadurch sind die Pensionskassen nach Angaben auf der Pressekonferenz heute das transparenteste Modell in diesem Bereich. Sie bieten ihren Kunden mehr Informationen und Wahlmöglichkeiten zu Veranlagungsstrategien und Ergebnissen als andere Anbieter. Der in Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) entwickelte Transparenz-Standard ermögliche eine unabhängige und aktuelle Auswertung nach fünf Veranlagungsklassen, von "konservativ bis dynamisch".

 

Besonders bei jungen Arbeitnehmern steige das Bewusstsein für Firmenpensionen, weil sie damit eine geringere gesetzliche Pension ausgleichen wollen. "Den Jungen ist eine Firmenpension wichtiger als eine Betriebskantine. Dies zeigt sich auch an der stärkeren Beteiligung mit Eigenbeiträgen durch die Arbeitnehmer“, erklärte der FV-Obmann.

 

Um mehr Anreize für zusätzliche Eigenbeiträge zu schaffen, sollte auch in Österreich das international übliche Prinzip der späten Besteuerung angewendet werden. Dabei erfolgt die Besteuerung erst bei der Auszahlung. Dieses Prinzip gilt bereits für die Arbeitgeberbeiträge, sollte aber auch für die Beiträge der Arbeitnehmer gelten. "Das würde die Entwicklung der Zweiten Säule zusätzlich beschleunigen", schloss Böhm.


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