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Wirtschaftsmediation: Wenn sich zwei streiten, vermittelt am besten ein neutraler Dritter

08. November 2005 | 16:54 Autor: WKÖ Vorarlberg
Beratertag 2005 Bestandteil und Gipfelpunkt der Info-Offensive des Fachverbandes UBIT und der Wirtschaftstreuhänderkammer zu den Vorteilen von Wirtschaftsmediation.

Wirtschaftsmediation ist eine Methode, Konflikte im Arbeitsleben effizient, nachhaltig und kostengünstiger als zum Beispiel vor Gericht zu lösen, WirtschaftsmediatorInnen sind Unternehmensberater mit Gewerbeberechtigung, die eine Mediationsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und bei der Wirtschaftskammer sowie im Ministerium für Justiz registriert sind. Ganz im Zeichen der Wirtschaftsmediation als Methode zur außergerichtlichen Konfliktlösung stand der Beratertag 2005, der gestern, Montag, im ORF-Zentrum in Wien stattgefunden hat. Die mit rund 650 Personen sehr gut besuchte Veranstaltung war heuer erstmalig eine sehr erfolgreiche Koproduktion des WKÖ-Fachverbandes der Unternehmensberater und Informationstechnologen (kurz UBIT) - wo die Experts Group „Wirtschaftsmediation“ organisatorisch angesiedelt ist - und der Kammer der Wirtschaftstreuhänder (KWT).

 

Zu den hochrangigen Teilnehmehern gehörte Justizministerin Karin Gastinger. Sie bekannte sich in ihrer Rede zum verstärkten Einsatz der Wirtschaftsmediation in der Justiz. Denn noch immer werde der Wirtschaftsmediation zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie hob das enorme Sparpotenzial hervor, das die Wirtschaftsmediation mit sich bringe, und verwies auch auf den Vorteil der Entlastung der Gerichte.

 

Der Direktor des Wiener Tiergartens Schönbrunn, Helmut Pechlaner, sieht die rasant steigende Zahl an Menschen auf der Erde als wichtigen Grund für die Zunahme zwischenmenschlicher Konflikte. Die natürliche Sozialstruktur sei bei den Menschen, anders als bei den Tieren, gestört, wodurch Konflikte nicht mehr von alleine gelöst werden könnten: „Wirtschaftsmediation weist hier den richtigen Weg.“

 

Ein enormes Potenzial für den Einsatz von Wirtschaftsmediation ortete Gastredner Maximilian Gege, Mitglied des Club of Rome, im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich. Probleme, die heute nicht gelöst werden, würden sich für die nachfolgenden Generationen in enormen Kosten niederschlagen, warnte er.

 

Für die Rechtsanwältin und Mediatorin Ulla Gläßer bestehen Konflikte zum Großteil aus Emotionen. Diese könnten aber nicht im Gerichtsaal, wo es immer einen Gewinner und einen Verlierer geben muss, gelöst werden. WirtschaftsMediation sei ein taugliches Tool, um eine für beide Seiten akzeptable Lösung herbeizuführen, sagte Gläßer in ihrem Vortrag.

 

Laut Eberhard Wobisch von der Gesellschaft der Wirtschaftstreuhänder müsse die Frage nicht lauten „Was kostet eine Wirtschaftsmediation?“, sondern „Was kostet es, keine Wirtschaftsmediation zu machen?“ Einer aktuellen Erhebung zufolge belaufen sich die Ausgaben für den Einsatz von Wirtschaftsmediation auf lediglich 5 bis maximal 15 Prozent der Kosten, die einem Unternehmen aus einem Konflikt erwachsen.

 

Emil Brix vom Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten wagte einen Blick in die Zukunft und sprach vom „Zeitalter der Zivilgesellschaft“, in dem private Gruppen zunehmend die öffentliche Meinung bestimmen und damit die Politik sukzessive in den Hintergrund drängen. „Die Problemlösungen von morgen werden nicht-hierarchischer Herkunft sein. Private und öffentliche Institutionen werden mehr und mehr zusammen arbeiten. Die Zukunft gehört der Zivilgesellschaft.“

 

Fachverbvand UBIT-Vorstand Friedrich Bock und Alfred Harl vertraten die Ansicht, dass der aktuelle Streit um das neue ÖBB-Dienstrecht durch den Einsatz von Wirtschaftsmediation gelöst werden könnte: „Nach der Rückkehr der Verhandlungsparteien an den Verhandlungstisch soll versucht werden, die Gesprächsbasis soll durch einen neutralen Dritten, einen Wirtschaftsmediator, wieder herzustellen.“ Harl bezifferte die Schadenssumme, die der österreichischen Wirtschaft durch ungelöste Konflikte erwächst, mit mindestens 4 Milliarden Euro jährlich.

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